# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S80 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 80 — Gutes Kirchenregiment, Seelſorge u. ſ. w., alles das erſetzt nicht Treue in der Vorbereitung auf die Predigt. Als eine fernere Nothwendigkeit, wodurch die Verſchüttung des Segens verhindert werden kann, iſt angegeben: „Gewiſſenhafte und im evangeliſchen Geiſte geübte Seelſorge.“ Gewiſſenhaft heißt, daß jede Seele ſo von ihrem Seelſorger verſorgt werden ſolle, daß es ihr an nichts zur geiſtlichen Nah⸗ rung fehle. Im evangeliſchen Geiſte, das heißt, nicht geſetzlich, nicht kleinlich, ſondern mit dem Ziel zu bekehren, ſelig zu machen. Hiebei wurde Herr Paſtor Schaller aufgefordert, einem ihm längſt gegebenen Auftrage nachzukommen, nämlich für „Lehre und Wehre“ einen Auszug aus den Verhandlungen der St. Louis Paſtoral⸗Conferenz über Privatſeelſorge auszuarbeiten. Auch an die „Materialien zur Paſtoral⸗ theologie“ wurde erinnert, die man endlich auch in Buchform zu ſehen wünſche. Weiter heißt es, ein Prediger ſoll aller „Herrſchſucht“ ſich enthalten; er ſoll nicht nur in der Theorie die Prieſterherrſchaft verwerfen, ſondern ſich der⸗ ſelben auch in praxi enthalten. Durch Herrſchſucht ſtößt man die Leute von ſich ab und bringt ſie in einen knechtiſchen, geſetzlichen Zuſtand. Unſere Sy⸗ node darf nicht vergeſſen, daß ſie ihre Ausbreitung nächſt Gott dem Umſtand zu verdanken hat, daß ſie durch ihr ganzes Verfahren und ihr Bekenntniß die Gemeinden davon überzeugt hat, daß der Prediger nicht herrſchen, die Ge⸗ meinde mündig machen und daß er nur der Gemeinde Diener ſein will. Vielfach haben wir es dieſem Umſtande zu verdanken, daß der Name unſerer Synode einen guten Klang hat, daß unſere Prediger ſo wenig herrſchſüchtig ſich erzeigt haben, ſo gern zu dienen bereit geweſen ſind. Gar viele Klagen ſind hingegen in neuerer Zeit eingelaufen, daß junge Prediger ſich gleich weltlichen Amtleuten betragen. Luther hat ſchon zu ſeiner Zeit das als eine bei den Predigern der reinen Lehre vorkommende Sünde bezeichnet. Während die römiſchen Prieſter Bauchpfaffen ſeien, ſagt Luther, ſeien unſere Prediger hart und hingen dem Zorn nach. (XXI, 1348.) Es iſt herzbrechend zu ſehen, wie rückſichtslos, wie anmaßend junge Prediger in den Gemeinden oft handeln. Laſſet ſolchen Geiſt unter uns nicht eindringen! Suchen wir, Pre⸗ diger, das Unſere, wollen wir Herren ſein über den Glauben der Gemeinden, dann ſind wir verloren, unſer ſchönes Synodalgebäude ſtürzt ein. Wir ſol⸗ len uns nicht dienen laſſen, ſondern dienen. Herren ſein heißt auch ſchon, wenn man immer ſeine eigene Meinung durchſetzen will. Ein Prediger muß das vertragen können, wenn Leute, beſonders wenn ſie im Rechte ſind, dem Prediger oft widerſprechen. Ein Prediger hat keinerlei Herrſchaft, auch nicht über den geringſten Knecht oder über die einfältigſte Magd. Die Miſſouri⸗ Synode würde eine Heuchel⸗Synode und ihren ausgeſprochenen Grund⸗ ſätzen untreu werden, wenn wir in das ſchändliche Weſen der Prieſterherr⸗ ſchaft hineingeriethen. Viele unſerer Prediger ſtanden vor Kurzem noch in einem andern Berufe, nun haben ſie auch den Prieſterrock an, da kann denn