# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S79 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 79 — ſich nicht wohl vorbereiten, ſind meiſt wie leichtfertige Schützen, welche un⸗ bekümmert um das Ziel, nur ins Blaue hinein losſchießen. Die Stunde der Predigt des göttlichen Wortes iſt eine gar wichtige, entſcheidungsvolle Stunde für Tauſende von Seelen, ſei es, daß ſie bekehrt, oder getröſtet oder gewarnt werden. Ein Prediger, welcher nicht den äußerſten Fleiß bei ſeinen Predig⸗ ten angewendet hat, wird als ein Schalksknecht verſtoßen werden, denn er hat ſeine Gemeinde auf das ſchändlichſte verwahrloſ't. Damit ſoll viel⸗ geplagten und mit Arbeit überhäuften Predigern nicht ein Gewiſſen gemacht werden, wenn ſie ſich zuweilen nicht mit wünſchenswerther Sorgfalt auf ihre Predigt vorbereiten können; ſolchen wird alsdann Gott helfen; es iſt dies vielmehr geredet von den bequemen, ihr liebes Fleiſch ſchonenden und allerlei Allotria treibenden Predigern. Man ſollte alle ſeine Zeit, all ſein Leſen und Studiren für die Predigt verwenden und für ſie ausnutzen. Hierbei wurde bemerkt, es ſei auch unter uns eine Richtung vorhanden, da man das Geſetz Gottes nicht oder doch nicht gründlich predige; dieſe Richtung finde ſich auch vielleicht aus dem Grunde unter uns, weil, wo das Geſetz gepredigt wird, auch viel Kreuz ſich einſtellt. Dieſe antinomiſtiſche Richtung iſt ſicherlich höchſt gefährlich; alle jungen Prediger ſind deshalb ernſtlich zu ermahnen, Luthers Schriften gegen die Antinomer zu leſen. Hierbei wurde der Ausdruck „Richtung“, „antinomiſtiſche Richtung“ als zu ſtark bezeichnet; wohl aber, erklärte man, könne man ſagen, daß die Gefahr da ſei, in antinomiſtiſches Predigen zu gerathen. Ja, obwohl es hin und her vorkommen möge, daß das Geſetz zu wenig gepredigt werde, ſo komme es wohl noch öfters vor, daß es an der freien, lautern, reichlichen Gnadenpredigt und Verkündigung des Evangeliums ohne allen geſetzlichen Beigeſchmack fehle. Wenn es nicht recht ſtehe in den Gemeinden, ſo rühre das häufig davon her, daß das Evangelium nicht ſo reichlich gepredigt werde, als ſich gebührt; denn das Evangelium allein kann die Leute zu allem Guten erſt willig machen. Das rechte geiſtliche Leben kommt doch allein aus dem Evangelio. Durch die vorhin gemachte Bemerkung von der antinomiſtiſchen Richtung könnte mancher junge Prediger dahin gebracht werden, die Predigt des Evangeliums anſtehen zu laſſen und nur, oder vorherrſchend, das Geſetz zu predigen, während doch Luther ſelbſt erklärt, daß man nicht zu viel Vergebung der Sünden und Evangelium predigen könne. Als ein Mangel beim Verabfaſſen der Predigt wurde auch noch gerügt, daß der Text oft ſo handwerksmäßig behandelt werde, ohne alle lebendige Beziehung auf die Gemeinde⸗Verhältniſſe und auf das wirkliche Leben. Zur rechten Vorbereitung gehört gewiß auch das fleißige Studiren, Nachſchlagen, wodurch man nicht nur in der Erkenntniß reicher wird, ſondern auch ge⸗ ſchickter in der Anwendung und im Gebrauch des Wortes Gottes. Endlich wurde noch die Schlußbemerkung gemacht, daß dieſes alles ge⸗ ſagt ſei gegen einen einreißenden Geiſt des Leichtſinnes. Wir Prediger ſollen eben alle erkennen, daß die Predigt die Hauptarbeit ſei, welche uns obliegt.