# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S74 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 74 — das Herz, denn er iſt ausgetrieben, und die alte Unruhe, der alte Unfriede kehren wieder. Haben nun die Chriſten, die der Teufel verführt hat, verbotene Wege zu gehen, um die Schätze der Erde zu erlangen, haben dieſe Chriſten den Frieden verloren, ſo ſuchen ſie ihn in etwas anderem, in angeſehener Stellung — und in Amerika kann man viel werden — oder in Geld. Die Geldgier macht die Chriſten zu Menſchen, deren Sinnen und Dichten endlich nur auf Geld geht; deren Geſpräche handeln vom Geld, deren Beſchäfti⸗ gung richtet ſich auf Geld, ihr Amt und die Verrichtung desſelben, alles ge⸗ ſchieht um Geld; kurz, ihre Parole iſt Geld, Geld! Amerika iſt recht eigent⸗ lich das Land der Geldgier und des Geizes. Wer ſatt iſt, der verliert Gott, und hat er den verloren, ſo ſucht er den Verluſt zu erſetzen, indem er reich zu werden trachtet. Es iſt eben eine gewiſſe Wechſelwirkung zwiſchen Geiz und Sattheit. Hat der Teufel Jemand in ſein Netz gebracht und ihn gefangen mit dem Verſprechen: „Dies alles will ich dir geben, ſo du niederfällſt und mich anbeteſt“, ſo entſteht dadurch Sattheit, denn der Geiz ertödtet den Eifer für geiſtliche Güter. Aber viel öfter geſchiehts, daß man durch die Sattheit zum Geiz kommt. Es iſt eine wahrhaft vergiftete Luft, die in dieſem Lande weht, und es iſt ein wahres Wunder, wenn noch Einige ihren Einflüſſen ent⸗ gehen. In den alten Gemeinden ſind die meiſten ſchon völlig angegriffen, und zwar nicht nur die Kaufleute und Handwerker in den großen Städten, ſondern auch die Farmer. Gerade in unſern alten Gemeinden, weil die Sattheit eingetreten iſt, ſo iſt das Verlangen Tag und Nacht nach mehr Geld, mehr Land, mehr Geſchäften. Wehe uns, wenn wir nicht aus dieſem Traum erwachen und bedenken, daß uns dieſe Strömung ins unermeßliche Meer des Verderbens hinaustreibt. Es zeigt ſich der Einfluß dieſes Geiſtes hier zu Lande auch ſchon an der Jugend, und ſollte jeder erſchrecken, wenn er die Ge⸗ fahr an ſeinen Kindern wahrnimmt. Vor 30 bis 40 Jahren, wenn man da von 100 Gulden ſprach, ſo war das ſchon eine große Summe. Vor dem Krieg begnügte man ſich noch, von Tauſenden zu ſprechen, aber jetzt reichen dieſe Summen nicht mehr hin. Jetzt werfen die Kinder ſchon in ihren Re⸗ den mit Hunderttauſenden und Millionen um ſich. Wir leben in einer Zeit, wo der Menſch ſo viel werth iſt, als er Dollars hat. So lange man noch ein Chriſt iſt, flieht man dahin, wo man geborgen iſt, zu der lebendigen Quelle, aber tritt die Sattheit ein, dann iſts vorbei. Vertagt. Dritte Fortſetzung der Verhandlungen über die leitenden Sätze.*) Zu III. 2. wird unter a. angegeben, was erſtlich die Paſtoren zu thun haben, damit der Segen nicht verſchüttet werde. In Betreff der hier zuerſt genannten nöthigen Selbſtüberwachung wurde Folgendes bemerkt: St. Paulus bezeugt in ſeiner Abſchiedsrede an die Biſchöfe zu Epheſus aus⸗ drücklich: „So habt nun Acht auf euch ſelbſt und auf die ganze Heerde“, *) Hier beginnt wieder das Protokoll des ſtehenden Secretärs.