# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S73 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 73 — freilich den Vortheil vor den Kirchen Deutſchlands, daß uns Gott hier immer neue Gemeinden beſchert. Um ſo weniger aber können wir uns deſſen rüh⸗ men, daß die erſte Liebe ſich noch an vielen Orten unter uns regt. — Es wurde um Angabe von Mitteln gebeten, der Sattheit zu begegnen und ſie in Hunger zu verwandeln, und dazu bemerkt: Ich weiß auch die Zeit noch, wo den Leuten damit gedient war im Buſch, wenn man ihnen an einem Wochen⸗ tag des Abends predigte, während jetzt ſelbſt am Sonntag, wo man es doch den Leuten bequem macht, die Kirche nicht mehr voll, ſondern leer wird. Es wäre eine große Gnade von Gott, wenn ſich Jemand fände, der hier Rath ertheilte, ich würde ihn mit Freuden und Dank gegen Gott annehmen und befolgen. Es wurde darauf geantwortet: Gott muß das geben; wir können nur beten und es Gott und einander klagen, und wenn die Klage immer all⸗ gemeiner wird, ſo wird das helfen, denn Gott erbarmet ſich der ſeufzenden Herzen. Es fehlt an der Buße, an dem täglichen Erſäufen des alten Adams, denn wo das nicht geſchieht, da muß Sattheit entſtehen. Wenn aber dieſe Jubelzeit dazu dient, dieſe Klage in unſer Aller Herzen zu erwecken, ſo kann wieder eine ſchöne Zeit werden, ſo kann ein neuer Frühling angehen. Wie ſchrecklich ſah es aus, als Luther ſtarb! Aber es gab doch noch eine große mächtige Schaar ſolcher, welche der Wahrheit von ganzem Herzen anhingen und zu Gott ſeufzten, und ſiehe, im Jahre 1577 erlebten ſie es, daß die herr⸗ liche Jubelzeit wieder anbrach, und daß dieſelben Lutheraner, die auf ihren Knieen geſeufzt, auf ihren Knieen auch die Concordienformel mit Freuden⸗ thränen empfingen. — Hier wurde beantragt, die Synode möchte einen be⸗ ſtimmten Bußtag anberaumen, und geantwortet: Die Schrift ſagt: „Weißt du nicht, daß dich Gottes Güte zur Buße leitet?“ Wenn wir alſo unſern Ge⸗ meinden die Güte Gottes und unſer Verhalten dagegen recht vorſtellen würden, bei Gelegenheit der Jubelfeier, die ja, wenn die Prediger nach Hauſe kommen, in ihren Gemeinden werde angeſtellt werden, ſo würde das die beſte Bußpredigt ſein. — Für unſere Demüthigung wird Gott ſelbſt ſorgen, dadurch, daß er uns Trübſal ſchickt, und wie dann Gottes Wort ſagt: „HErr, wenn Trübſal da iſt, ſo ſuchet man dich“ ꝛc. Allerdings, wenn man in der neuern Zeit merkt, wie das ganze Beſtreben der Menſchen auf die Erzielung von Erden⸗ gütern und auf Wohlleben geht, ſo ſchaudert einem die Haut, und man fragt, ob Gott nicht eine Ruthe binden werde, um das geile Kalb zu züchtigen. Zu hüten haben wir uns weiter vor dem Geiz. Es iſt hier nicht der ſogenannte hündiſche Geiz gemeint, ſondern überhaupt die Sucht, reich zu werden, die Liebe des Reichthums, welche uns nicht nur von der Erbſünde her angeboren iſt, ſondern hier in Amerika unſere Leute beſonders angeſteckt hat. Sattheit und Geiz ſind immer beiſammen. Wir haben von Gott ein Herz bekommen, das hat ein großes Verlangen, und wird nur ruhig, wenn Gott es füllt und dieſes Verlangen ſtillt. Wenn der es füllt, dann hat es Ruhe, und die ſo begnadigt ſind, werden ſelige Menſchen ſchon hier. Wenn aber Sattheit entſtanden iſt in Abſicht auf das Evangelium, dann verläßt Gott