# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S71 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 71 — und die Erſten die Letzten werden. Wenn uns freilich vorgeworfen wird, wir rühmten uns ſelbſt, weil wir bekennen, daß wir die reine Lehre haben, ſo iſt das Unverſtand, denn dieſes Bekenntniß müſſen wir Gott zu Ehren thun. Als in einer hieſigen engliſchen Zeitung eine Beſchreibung des Jubelfeſtes und eine ſein ſollende Summa der Vormittags⸗Jubelpredigt gegeben wurde, ſo hieß es da: daß der Redner dargeſtellt habe, aus wie kleinen Anfängen die Synode zur jetzigen Größe emporkam; das habe aber auch viel Mühe und Arbeit von unſerer Seite gekoſtet, doch wäre freilich auch dies vergeblich ge⸗ weſen, wenn nicht Gott auch geholfen hätte. Gott bewahre uns, daß eine ſolche Predigt unter uns gehalten wäre. Es würde ein Fluch auf uns liegen, wenn wir uns das Gelingen ſelbſt zuſchrieben und Gott nur etwas dazu thun ließen. So mißfällig Gott nun ein ſolches ſelbſtgefälliges Rühmen wäre, ſo Gottgefällig dagegen iſts, ihn zu rühmen. Gottes Wort ſelbſt ſagt: „Wohl dem Volk, das jauchzen kann.“ Und: „Sie werden in deinem Lichte wan⸗ deln und in ſeinem Scheine fröhlich werden, wie am Tage.“ Da wird alſo der Beſitz des Lichtes als ein Grund angegeben, worüber wir fröhlich ſein und jauchzen ſollen. Die Hauptſtelle dafür aber bleibt die, wo Gott ſelbſt ſagt: „Wer ſich rühmen will, der rühme ſich deß, daß er mich wiſſe und kenne.“ So wollen wir denn rühmen, daß wir die reine Lehre haben, d. h. daß wir Gott und ſein Wort erkennen. Rühmen wir uns aber einer andern Sache, ſo ſind wir verfluchte Menſchen und lächerliche Thoren. Alles andere, was wir haben, haben andere Gemeinſchaften auch und Manches in viel höherem Grade. Wiedertäufer und Methodiſten in dieſem Lande ſind uns an Zahl der Glieder, an Werth der Beſitzungen u. ſ. w. weit voraus. Es wäre darum lächerlich, wenn wir uns anderer Sachen rühmen wollten, als des Wortes; aber es wäre auch erſchrecklich, wenn wir uns deſſen nicht rühmen wollten. Hoffentlich iſt in der nächſten Zeit die Gefahr auch nicht gar ſo groß, daß wir uns mit eitlem Ruhm lächerlich machten, denn Gott hat uns ſo außer⸗ ordentlich lieb, daß er uns mit Schmach bedeckt und damit ſo fleißig heim⸗ ſucht, daß uns das Rühmen wohl vergeht. Aber freilich der Hochmuth bleibt deßhalb noch immer unter der Haut ſtecken. Dagegen gilts denn fort und fort ernſten Kampf. Wir haben uns ferner zu hüten vor Sattheit. Gleich der Gefahr des ſelbſtgefälligen Rühmens, ſind auch dieſer beide, Prediger und Zuhörer, aus⸗ geſetzt. Je länger man das Evangelium hat, je mehr dringt Sattheit herein. Aus der Sattheit aber entſteht alles andere Unheil und endlich die völlige Verleugnung. Eine andere große Gefahr, welche aus der Sattheit kommt, iſt dieſe, daß man äußerlich wohl das Wort noch hört und in den Satzungen wandelt, und dabei innerlich hohl und geiſtlich todt iſt. Das iſt eine ſchreck⸗ liche Gefahr, daß bei äußerm Schein der Gottſeligkeit das Leben doch inner⸗ lich abſterbe. Bewahre uns Gott davor. Ich erinnere mich noch der Zeit, da war man außer ſich vor Freude, wenn man einmal, etwa auf ſeinen Reiſen, in eine Kirche kam, und hörte da nur wieder gläubige Anklänge. Ich erin⸗