# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S70 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 70 — gehen eben nach dem kleinen Katechismus; das iſt einmal hier ſo Mode. Das iſt keine große Kunſt. Es darfs einer nur wollen, ſo kann er es auch. Laßt uns doch um Gottes willen nicht alſo denken. Es iſt ja Gottes preiswürdige Gnade, daß wir haben, was wir haben, und darum können wirs auch übers Jahr ſchon verloren haben. Was vorhin aus Luthers Schriften verleſen wurde, das hat ſich in Deutſchland ſchrecklich erfüllt, und es gilt auch uns. In Kurzem kann es auch von uns heißen: Hin iſt hin. Bedenken wir, wie unausſprechlich die Gnade iſt, die uns geſchenkt iſt, wie der Apoſtel ſie preiſ't 2 Cor. 4, 6.: „Gott, der da hieß das Licht aus der Finſterniß hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unſere Herzen gegeben.“ Hier redet der Apoſtel zunächſt von dem herrlichen Schöpfungswunder, nemlich daß Gott das natür⸗ liche Licht geſchaffen, und rühmt dann als ein gleiches Wunder, daß er einen hellen Schein in unſere Herzen gegeben hat. — Auch den ſchrecklichen Mate⸗ rialismus unſerer Tage und ſeine Gefahren ſollen wir recht ins Auge faſſen. Alles rennt nach Gewinn und lebt im Genuß. Unter ſolchen Verhältniſſen leben unſere Chriſten und ſehen, das Chriſtenthum biete ihnen davon nichts. Statt daß ſie nun um ſo wachſamer ſein ſollten, ſchlafen ſie ein und werden der geiſtlichen Wohlthaten Gottes überdrüſſig. Man glaubt gar nicht, wie mächtig dies Gift in die Leute hinein kommt. Noch hören ſie die Predigt an, noch leſen ſie Gottes Wort, und doch kommen ſchon unvermerkt die Gedanken: Ach, wir müſſen doch auch für das Irdiſche ſorgen. So vergißt man all⸗ mählich den Werth der himmliſchen Güter und trachtet nach denen der Erde. Wie kann ich aber dankbar ſein, wenn mein Herz nach einem andern Schatz ſteht? Zum andern haben wir uns zu hüten vor ſelbſtgefälligem Rühmen. Dieſe Gefahr möchte wohl größer ſein, als man bei oberflächlicher Betrach⸗ tung denken möchte, wegen des uns allen angeerbten Verderbens der Hoffart. Leicht bringt uns dasſelbe dahin, daß wir wohl mit dem Munde ſagen: „Nicht uns, HErr, nicht uns, ſondern deinem Namen gib Ehre“, während im Her⸗ zensgrunde doch ein ſelbſtgefälliges Rühmen iſt. Daher gehört große Wach⸗ ſamkeit und tiefe Erkenntniß des natürlichen Verderbens dazu, wenn man nicht darein fallen ſoll. Was ſelbſtgefälliges Rühmen für verderbliche Folgen habe, wird an der Geſchichte vom babyloniſchen Thurmbau klar. Weil ſie ſich ſelbſt einen Namen machen wollten, zerſtörte Gott in ſeinem Zorn das angefangene Werk, und der Thurm iſt bis dieſe Stunde ein Zeuge dafür, daß Gott den Hoffärtigen widerſteht. Wir haben uns um ſo mehr vor ſolchem ſelbſtgefälligen Rühmen zu hüten, weil uns Gott wirklich Großes gegeben hat. Unſer Gymnaſium, unſer Schullehrer- und Predigerſeminar, daß wir alle in einem Geiſt und Sinn glauben, bekennen und arbeiten, daß er uns viele Schüler gibt, daß die Anſtalten blühen, das alles iſt purlautere Gnade unſeres Gottes. Wir ſind ja kein Haar beſſer, als andere, die das alles nicht haben; alſo müſſen wir umſomehr vorſichtig ſein mit unſerm Rühmen, namentlich auch andern Synoden gegenüber, denn, wahrlich, die Letzten können die Erſten