# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S69 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 69 — ihr habt meine Werkzeuge nicht ſein mögen. Zur Erläuterung wurde auch auf das Beiſpiel des Königs Saul hingewieſen, der nach dem Rathſchluß Gottes ein König über ſein Volk ſein ſollte, jedoch unter der Bedingung, daß er ihm gehorſam wäre. Daher er um das Reich kam, als er Gottes Werk⸗ zeug in Ausrottung der Amalekiter nicht ſein wollte. Nach dieſen Vorbemerkungen folgt nun als Antwort auf die Frage: „Was muß unſere Aufgabe ſein, damit dieſer Segen nicht verſchüttet, ſondern auf unſere Nachkommen vererbt werde? 1. Im Allgemeinen: daß wir uns hüten vor Undankbarkeit, um welcher willen der Brunnen der Gnade ver⸗ ſieget, vor ſelbſtgefälligem Rühmen, wodurch Gott zum Zorn gereizt wird, das bereits Gebauete zu zerſtören, vor Sattheit, Geiz und gottloſem Leben.“ Dieſe Anforderung geht an alle Lutheraner, Prediger, Lehrer und Zuhörer. Undankbarkeit iſt an ſich ſelbſt ſchon eine verdammliche Sünde und die Ur⸗ ſache, warum Gott ſeine Gnade entzieht. Leiblich freilich thut Gott auch den Undankbaren Gutes, denn er gibt täglich Brod auch wohl ohne unſere Bitte allen böſen Menſchen, aber im Geiſtlichen zieht Gott ſeine Gnade zurück, wenn der Menſch in Undankbarkeit verſinkt. Worin beſteht vor allen Dingen die Undankbarkeit? Die erſte Stufe iſt, nicht erkennen, was Gott an einem gethan hat. Danken kommt ja her von denken. Wer nun nicht einmal be⸗ denkt, was Gott an ihm gethan hat, der wird ihm viel weniger dafür danken. Das iſt das Erſte. Laſſen wir uns das nicht umſonſt geſagt ſein. Wir, die wir in ſchrecklichen Zeiten gelebt haben, wir müßten freilich ganz ver⸗ rucht ſein, wenn wir nicht mehr daran denken wollten, was Gott an uns gethan hat. Ich war, erklärte einer, 18 Jahre alt, als ich das Gymnaſium verließ, und ich hatte noch keinen aus Gottes Wort genommenen Satz aus gläubigem Munde gehört. Ich hatte nie eine Bibel gehabt, auch keinen Ka⸗ techismus, ſondern einen miſerablen Leitfaden, worin heidniſche Moral ent⸗ halten war. Ich wußte nicht, wie das jüdiſche Volk nach Egypten und nach Canaan gekommen war, denn bibliſche Geſchichte wurde eben nicht ge⸗ trieben. Als ich auf die Univerſität kam, da hat mir Gott die Gnade erwieſen, daß ich ein Häuflein gläubiger Studenten fand, welche nach der Wahrheit verlangten. Von den Profeſſoren erfuhr ich nicht, welches der Weg zum Himmel ſei, denn die beſten unter ihnen waren Socinianer, Arianer, Pelagianer, die andern läſterten. Wollte man zu jener Zeit eine gläubige Predigt hören, ſo mußte man dazu weite Reiſen machen, und das war bei der großen Armuth der damaligen Zeit kein Spaß. So ſtand es zur Zeit unſerer Jugend. Und wie iſts jetzt unter uns? Welche Fülle der göttlichen Lehre, der reinen Predigt des Evangeliums haben wir! Schrecklich wäre es, wenn wir dächten: Nun ja, hier in Amerika, da haben wir es eben, das iſt weiter nichts. Das kann uns ſo leicht nicht wieder entgehen. Laßt uns doch daran gedenken: Wir hätten es nicht, wenn Gott es uns nicht gegeben hätte. In⸗ ſonderheit unſere jungen Prediger und Studenten ſind in großer Gefahr, zu denken: Was iſts denn weiter, was uns da gelehrt wird? Unſere Profeſſoren