# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S68 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 68 — ſich die politiſchen Umſtände immer mehr an, zumal, da nun im Weſten ein ſelbſtſtändiger chriſtlicher Freiſtaat (jetzt noch mags nach den Nachrichten, wie wir ſie bekommen, in demſelben in Abſicht auf Religionsgrundſätze ſtehen, wie es will) entſtanden iſt.“ („Lutheraner“ I., 12, 47. 48.) Da man alſo da⸗ mals ſchon mit ſo großen Hoffnungen hieher geblickt und Gott dieſelben jetzt ſo reichlich erfüllt hat, welche Pflicht müſſen wir haben, das Erbe unſern Nach⸗ kommen zu erhalten, damit wir nicht den Gnadenrath Gottes zu Schanden machen? Chriſtus ſelbſt ſagt ja: „Wären ſolche Thaten zu Tyrus und Sidon geſchehen, wie zu Chorazin und Bethſaida, ſie hätten vor Zeiten im Sack und in der Aſche Buße gethan“, und im Propheten Jeremias heißt es: „Wo ſie bei meinem Rathe blieben und hätten meine Worte meinem Volk gepredigt, ſo hätten ſie dasſelbe von ihrem böſen Weſen bekehrt“, Jer. 23, 22. Die Menſchen können alſo wohl die Erfüllung eines Gnadenrathes Gottes hin⸗ dern. Wir ſehen jetzt die Erfüllung der Hoffnung jener Männer für dieſes Land im Anfang; aber Gott ſieht, was noch daraus werden kann, wenn wir es nicht vernachläſſigen. Er ſagt uns jetzt: Wollt ihr helfen als meine Werk⸗ zeuge, daß in dieſem Lande wahres Chriſtenthum und echtes Lutherthum wieder aufgebaut werde, das im alten Vaterlande in Trümmern liegt? Der Gnadenrath Gottes über dieſes Land wird aber nicht in Erfüllung gehen, wenn wir faule Knechte ſind, die das Pfund im Schweißtuch vergraben. Gottes Wort ſagt: „Verflucht iſt, wer das Werk des HErrn läſſig thut.“ Fürchten wir uns darum vor dieſem ſchrecklichen Fluche und werden wir ja nicht ſicher, ſondern ſo oft wir daran denken, ſo laßt uns erwägen, wie viel Gott jetzt von uns fordert, welch eine ſchwere große Rechenſchaft wir Gott an jenem großen Tage ablegen müſſen. Laßt uns darum von dieſen Tagen heimkehren mit neuem Muth zum Werk. Mit neuem Ernſt zu größerer Treue laßt uns ans Werk gehen, damit das Licht des reinen Evangeliums an immer mehr Orten angezündet werde. — Auf die Frage, ob es denn mög⸗ lich ſei, Gottes Gnadenrath hindern? wurde geantwortet: Es iſt das eine ſehr tiefgehende Frage, und ſie kann hier nur im Allgemeinen beantwortet werden. Man muß unterſcheiden zwiſchen abſoluten Rathſchlüſſen Gottes und ſolchen, die mit einer gewiſſen Bedingung verknüpft ſind. Dieſe letzteren können allerdings gehindert werden durch die Untreue der Menſchen, die an⸗ dern aber nicht. Gott will, daß allen geholfen werde, aber er will das nicht abſolut, ſondern unter der Bedingung, daß ſie an ſeinen Sohn glauben. Darum können die Gottloſen dieſen Rath hindern. Es iſt das freilich eine ſchreckliche Macht, welche der Menſch ſo beweiſen kann. So kann es auch gehen mit einem ganzen Volk und einer ganzen Zeit. Gott möchte, daß ſein Segen allen zu Theil würde, aber Menſchen können es verhindern, weil er es nicht abſolut will. Wenn Gott etwas will unter einer gewiſſen Bedingung, und wir erfüllen die Bedingung nicht, ſo können wir daher am jüngſten Tage nicht ſagen: Wir können nichts dafür, denn wir konnten ja deinem Willen nicht widerſtehen. Nein, wird er ſagen, ich wollte es durch euch thun, aber