# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S66 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 66 — liebreicher Vater dafür Sorge trägt, daß ſein Gut nach ſeinem Tode ſeinne Kindern bleibe, damit ſie nicht leiblichen Hunger leiden und verderben müſſen, wie viel mehr ſollen wir für die geiſtliche Wohlfahrt unſerer Kinder und Kin⸗ deskinder Sorge tragen! Das iſt ja das allerbeſte Erbe, was wir ihnen hin⸗ terlaſſen können, die reine Lehre des göttlichen Wortes. — Mit vollem Recht redet die Theſis von großen Gefahren. Es heißt in Bezug auf die Zeit, in der wir leben: „Siehe, der Satan kommt zu euch hinab und hat einen großen Zorn, denn er weiß, daß er wenig Zeit hat.“ Und: „Wir tragen den Schatz in irdenen Gefäßen.“ Wir ſind ſchwach und gebrechlich. Wie leicht kann es da geſchehen ſein, daß der Glaube in uns erſtorben, die Liebe erkaltet, die Hoffnung erloſchen iſt. Auch macht das die Gefahr noch größer, weil der Abfall plötzlich eintreten kann. — Man möchte vielleicht die ernſtliche Wach⸗ ſamkeit nicht für ſo nothwendig halten, weil Gott unſerer Synode ſo herrliche Gaben gegeben habe, und der Menſch ja geneigt iſt, Fleiſch für ſeinen Arm zu halten. Man möchte darum denken: Es mag wohl ſein, daß dem oder jenem Einzelnen oder den Einzelgemeinden die Gefahr drohe, aber nicht der ganzen Synode als einer Particularkirche. Es gibt ja Lutheraner, welche meinen, die einzelnen Gemeinden könnten wohl abfallen, aber nicht eine ganze luthe⸗ riſche Kirche, und begründen das mit dem Wort: „Die Pforten der Hölle ſollen ſie nicht überwältigen.“ Sie unterſcheiden aber nicht zwiſchen ſicht⸗ barer und unſichtbarer Kirche. Dahin gehört auch die Meinung mancher in dieſem Lande, die lutheriſche Kirche habe hier noch eine große Zukunft, ſie werde noch die herrſchende Kirche werden, eine große Miſſion in der Welt er⸗ füllen. Durch ihre Lehre, ihre äußere Organiſation, ihre gottesdienſtlichen Einrichtungen werde ſie das Volk an ſich ziehen, auch aus anderen Kirchen. Allein, wer offene Augen hat, der kann jetzt ſchon ſehen, daß alle ſolche Hoff⸗ nungen unbegründet ſind, und vielmehr das Gegentheil zu erwarten iſt. Wir haben nicht nur zu kämpfen gegen das Pabſtthum, ſondern auch gegen die Union unter allen Secten. Und in der lutheriſchen Kirche ſelbſt wird es noch einen ſchweren Kampf geben müſſen, wenn die Wahrheit nur bleiben ſoll, gerade weil die Netze ſo fein geſponnen ſind. Da iſt Iowa mit ſeinen offenen Fragen und das ganze Church-Council. Dieſes hat es ausgeſprochen, wenn auch nicht offiziell, daß wir Lutheraner uns nur an die Bekenntnißſchriften zu halten hätten, die übrigen Lehren des göttlichen Wortes könnten uns nicht binden. Es iſt dies ein gar feines Garn, um die Chriſten zu bethören und zu fangen. — Sonderlich ſollten wir uns übrigens recht vertiefen in den zuletzt ausgeſprochenen Gedanken: „theils von der Liebe zu unſern Kindern und Nachkommen“. Wir haben wohl einen kleinen Anfang gemacht, um dieſer Liebe Rechnung zu tragen, aber es muß noch viel mehr geſchehen, wenn wir unſerer Pflicht nachkommen wollen. Laßt uns nicht ſagen: post nos dilu- vium. Nach uns kommen auch noch welche. Nur zu leicht kommen die Leute auf ſolche ſelbſtſüchtige Gedanken, und in vielen unſerer Gemeinden wird dieſer Sinn wirklich offenbar. Man denkt und ſagt: Wir haben ja einen