# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S65 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 65 — ein Häuflein gibt, das, die Welt mag noch ſo viel von Fortſchritt ſprechen, bei der alten hausbackenen Lehre des göttlichen Wortes bleibt und nichts Neumodiſches annimmt, ſondern bei der altfränkiſchen Lehre der Väter der lutheriſchen Kirche bleibt, — ein Häuflein, das feſt überzeugt iſt, dies iſt der rechte Weg zum ewigen Leben, den Gott ein für allemal offenbart hat, das glaubt, Gott iſt kein Modemann, der heute ſo und morgen wieder anders ſich offenbart, — das erregt den Grimm des Teufels aufs höchſte und bringt die Welt gegen uns auf. Darum müſſen wir mit eiſerner Stirn gegen die Welt ſtehen, die unſern Glauben und unſer Thun als Thorheit verachtet und uns für Narren hält. Es muß bei uns feſtſtehen: Wir wollen ſolche Narren ſein um Chriſti willen. Das iſt freilich nicht angenehm für unſer Fleiſch, denn es liegt in unſerer Natur, daß wir gern anerkannt wären, auch von der Welt. Es geht uns gleich durch die Seele, wenn wir ein Urtheil von der Welt zu unſern Ungunſten vernehmen; wir möchten gerne hören: Nun, die Miſſourier haben auch ihr Gutes gethan; durch dies oder das haben ſie der Welt auch genützt. Aber fürchten wir uns vor ſolchen Gedanken, denn an dem Urtheil der Welt darf uns nichts liegen. Wenn wir nur Seelen zu Chriſto und in den Himmel bringen, dann muß es uns gleich ſein, die Welt verachte oder lobe uns darüber, denn wir wiſſen, nach ihrem Maßſtab werden wir nicht gerichtet. — Eins ſollte uns ganz beſonders zur Wachſamkeit ermuntern, das Gleichniß von den zehn Jungfrauen. Da hören wir, daß auch die klugen entſchlummerten, als der Bräutigam verzog. Das kann uns auch geſchehen. Wir wiſſen die Gefahren, jeder Einzelne hat ſie um ſich, und wenn wir ver⸗ gleichen die Kirche der Reformation zu Luthers Zeiten und uns, welch ein Abſtand iſt da! — Ach, wir ſind ein mattes Geſchlecht. Darum ſollten wir uns alle gegenſeitig um ſo mehr ermuntern. Zu Satz 2 wurde kurz bemerkt, daß es zu viel Zeit in Anſpruch nehmen würde, wenn dieſer Satz durch Citate weitläufig ausgeführt werden ſollte, und daß er nur angeführt ſei, um jeden in der Synode zu veranlaſſen, über die Sache ſelbſt weiter nachzudenken. — Ebenſo wurde Satz 3 mit den Citaten aus Luthers Schriften nur verleſen und dann ohne weitere Beſprechung zur dritten Abtheilung der Theſen über⸗ gegangen: „Was muß unſere Aufgabe ſein, damit dieſer Segen nicht verſchüttet, ſondern auf unſere Nachkommen vererbt werde?“ Dieſe Frage wird uns auf⸗ gedrungen, erſtlich von der Dankbarkeit. Iſt es doch ſchon eine ſchändliche Un⸗ dankbarkeit, wenn man das Geſchenk eines Freundes lüderlich hinwirft, daß es beſchädigt wird und verdirbt oder verloren geht. Wie viel größer aber iſt die Undankbarkeit gegen unſern himmliſchen Wohlthäter, wenn wir ſein Geſchenk durch unſere Gleichgiltigkeit oder durch unſere Unachtſamkeit verderben laſſen. Die Gefahren, welche dieſes Geſchenk bedrohen, fordern Wachſamkeit. Der Apo⸗ ſtel Paulus, nachdem er im 20. Cap. der Apoſtelgeſchichte die Gefahren geweiſ⸗ ſagt hat, ſetzt dann ausdrücklich hinzu: „Darum ſeid wacker“, d. h. wachſam. Wachſamkeit iſt alſo ein Mittel, dieſe Gefahr zu vermeiden. Wenn ſchon ein