# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S64 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 64 — und ganz ſpeziell von den allerletzten Zeiten iſt die Rede Lucas 18, 8.: „Wenn des Menſchen Sohn kommen wird, meineſt du, daß er auch werde Glauben finden auf Erden?“ Durch dieſe Stelle iſt die Meinung, daß ein allgemeiner Sieg des Evangeliums vor dem jüngſten Tage noch ſtattfinden werde, aus⸗ geſchloſſen. Auch die Stelle 1 Tim. 4, 1. ff. iſt ohne Zweifel bereits durch das Pabſtthum erfüllt, denn es iſt dieſe Stelle nicht ſowohl eine Beſchreibung der Religionsſpötter der allerletzten Zeit, als vielmehr des Antichriſts. Die abgefallenen Ungläubigen der jetzigen Zeit ſind es in der That nicht, welche „in Gleißnerei Lügen reden“, die gehen mit ihrem Unglauben offen heraus. Sie „verbieten“ nicht, „ehelich zu werden“. Sie verbieten noch viel weniger „zu meiden die Speiſen“; ſie empfehlen vielmehr Freſſen und Saufen, um damit die Gnadenzeit zu verderben. Die letzte Zeit wird überhaupt in der heiligen Schrift beſchrieben als eine Zeit der allergrößten Sicherheit; daher ſagt der HErr, es würde in dieſen Tagen ſein, wie zu den Zeiten Noah's und Lot's: „Sie aßen, ſie tranken, ſie freiten und ließen ſich freien, bis die Sünd⸗ fluth kam.“ Wenn wir auf unſere Zeit ſehen und das Treiben der Menſchen mit dieſen Worten vergleichen, ſo müſſen wir ſagen: Es iſt ſo. Darin unter⸗ ſcheidet ſich unſere Zeit von der Luthers, daß damals wohl auch das gottloſe Weſen da war, aber es war nicht der herrſchende Geiſt der Zeit geworden. Jetzt hat die Sucht, ſich den Himmel auf Erden zu ſchaffen, die Maſſe ergriffen und leitet ſie. Die Welt iſt vorangekommen in allerlei Künſten und Wiſſen⸗ ſchaften und hat es darin weit gebracht; aber das alles wendet ſie an, um ſich das Leben ſo angenehm zu machen, als nur möglich, um den Himmel entbehren zu können. Und weil wir Chriſten auch noch Fleiſch und Blut an uns haben, ſo liegt auch darin für uns eine große Gefahr, wieder ſicher und in das Weſen der Welt verflochten zu werden. Es wird darum geſchehen, daß die Sicherheit je länger je furchtbarer zunimmt auch unter den Chriſten, bis es gar heißt: Wenn der HErr kommen wird, meineſt du, daß er auch werde Glauben finden? Wie zu Noah's Zeiten nur noch acht Seelen behalten wurden vor dem allgemeinen Untergang, ſo wird es auch bei uns gehen, wenn der HErr kommt. Sonderlich aber müſſen wir uns das recht lebhaft vor⸗ ſtellen, daß der Teufel vor allem gegen die rechtgläubige Kirche wüthen und toben wird. Wenn wir diesmal auseinandergehen, ohne mit Furcht und Zittern in unſerm Herzen zu bedenken, daß der Teufel ſchon in den nächſten Tagen darnach Pläne machen wird, wie er uns fälle und verderbe, dann haben wir ſchon Gottes Wort aus den Augen gelaſſen, denn Gottes Wort ſagt uns, der Teufel hat und hält keine Ruhe, und wer weiß, wo er ſchon Netze und Schlingen gelegt hat, uns zu fangen. Wenn wir aber glauben, daß die Gefahr da iſt, ſo wird das das beſte Mittel ſein, uns wachſam zu halten und uns zu wehren. Denn ſobald wir dann die Stimme des Fremden hören, ſo werden wir ſagen: Jetzt gilt's aufzuſehen, daß wir nicht von der Wahrheit geführt werden. O, daß wir doch alle mit dem Gedanken von hier fortgehen möchten: Wir wollen offene Augen haben und wachen. Denn daß es hier