# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S63 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 63 — die da verkehrte Lehren reden.“ Merkwürdig iſt ferner, daß der Apoſtel ſagt: „Denn das weiß ich.“ Er ſagt dies aus einem zweifachen Grunde, erſt⸗ lich aus der Kenntniß des Wortes Gottes des Alten Teſtamentes, woraus hervorgeht, daß es in der Kirche Gottes zu allen Zeiten ſo ergangen iſt, ſo⸗ dann aus einer beſondern Offenbarung, die er als Apoſtel empfangen hatte. Die zweite Stelle iſt Matth. 13, 25.: „Da aber die Leute ſchliefen, kam ſein Feind und ſäete Unkraut unter den Weizen und ging davon.“ Auch hier iſt eine allgemeine Gefahr für alle Zeiten angezeigt. Wenn es nemlich heißt: „Da aber die Leute ſchliefen“, ſo wird das zwar gewöhnlich ſo ausgelegt: Da die Leute ſicher wurden; und es iſt freilich nicht zu leugnen, daß das auch hieher gehört; aber zunächſt meint das der Heiland nicht, ſondern zunächſt redet er vom leiblichen, natürlichen Schlaf, welcher recht und nöthig iſt. Denn es iſt keine Sünde, daß ein Bauer ſchläft. Er muß ſchlafen, weil ſeine Natur dieſer Stärkung bedarf. Aber eben weil er ſchlafen muß und nicht die ganze Nacht auf ſeinem Acker ſitzen kann, ſo kann ers nicht verhindern, daß auch einmal ein Feind kommt und ſäet ihm derweile Unkraut unter den Weizen. So geht es auch zu in der Kirche Gottes auf Erden. Wenn wir auch noch ſo wachſam ſein wollten, ſo kann es nicht verhindert werden, daß das Unkraut falſcher Lehre oder gottloſen Lebens vom Teufel geſäet würde. Und darum iſt dieſe Stelle als eine, welche die allgemeine Gefahr anzeigt, hinzugeſetzt. Wie kein Farmer leiblich ſo wachen kann, daß kein Unkraut aufwachſe auf ſeinem Felde, ſo iſt uns Menſchen auch in der Kirche eine ſolche geiſtliche Wachſamkeit nicht möglich, daß darin nie geiſtliches Unkraut entſtehen könnte. Wir können nicht in jeder Gemeinde ſein und aufſehen, daß da alles recht zugehe, nicht in jeder Studirſtube der Paſtoren und aufmerken, ob ſie nicht falſche Lehre ausſinnen, nicht bei jedem Laien und verhüten, daß er nicht falſch glaube oder unheilig lebe. Kurz, wir können es nicht verhüten, daß das Unkraut falſcher Lehre und unchriſtlichen Weſens aufſproſſe. Von den beſonderen Gefahren der letzten Zeit handeln die Stellen: 1 Tim. 4, 1. 2.: „Der Geiſt aber ſagt deutlich, daß in den letzten Zeiten werden etliche von dem Glauben abtreten, und anhangen den verführeriſchen Geiſtern und Lehren der Teufel; durch die, ſo in Gleißnerei Lügenredner ſind und Brandmal in ihrem Gewiſſen haben.“ 2 Tim. 3, 1.2.: „Das ſollſt du aber wiſſen, daß in den letzten Tagen werden greuliche Zeiten kommen. Denn es werden Menſchen ſein, die von ſich ſelbſt halten, geizig, ruhmredig, hoffärtig, Läſterer, den Eltern ungehorſam, undankbar, ungeiſtlich.“ Die Parallele hiezu iſt 2 Petri 3, 3.: „Und wiſſet das aufs erſte, daß in den letzten Tagen kommen werden Spötter, die nach ihren eigenen Lüſten wandeln“ ꝛc. Unter den letz⸗ ten Zeiten ſind da freilich nicht die allerletzten Zeiten vor dem jüngſten Tage zu verſtehen, ſondern die ganze letzte Zeit vor dem Ende der Welt überhaupt. Und je näher das Ende rückt, je größer die Gefahr von Verführungen, welcher die Chriſten ausgeſetzt ſind. Hieher gehört weiter Matth. 24, 11.: „Und es werden ſich viel falſcher Propheten erheben und werden viele verführen“ ꝛc.