# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S62 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 62 — deten, nie etwas verſprochen; wir haben ihnen nicht verſprochen, daß wir ihnen ihre Kirchen bauen und ihre Prediger erhalten helfen wollten. Wir haben geſagt: Seht zu, wie ihr ſelber durchkommt. Wir haben ſelten Bit⸗ ten um ſolche Unterſtützungen in den „Lutheraner“ aufgenommen. Das iſt nur in wenigen Fällen geſchehen. Warum? Die Gemeinden ſollen nicht zur Synode treten in dem Gedanken: In der großen Synode iſt eine große Caſſe. Unſer Grundſatz iſt: Jede Gemeinde ſoll für ſich ſelbſt ſorgen. Eine Gemeinde, die eine Kirche und Schule nöthig hat, kann eine ſolche auch bauen. Von dem Grundſatz, keine Gemeinde zu ihrem Kirchenbau u. dergl. zu unterſtützen, gehen wir nur dann ab, wenn eine Gemeinde nicht blos für ſich, ſondern auch für ein großes Volk eine Kirche bauen muß. Sonſt ver⸗ ſprechen wir unſeren Gemeinden nichts, als daß tüchtig collectirt wird. Wir ſagen ihnen: Bedenkt, es ſind ſoviele Anſtalten, Lehrer zu unterhalten, u. ſ. w. Das koſtet viel Geld. Wer ſoll das bezahlen, wenn ihr es nicht thut? Es iſt euer Eigenthum. Aber freilich: Wir können und wollen euch keinen Zwang auflegen. Wollt ihr nicht freiwillig geben, ſo überlaſſen wir das eurem Gewiſſen. Unſere Feinde, bei denen Revolution entſteht, wenn ſie eine Centcaſſe errichten, ſagen: Bei den Miſſouriern werden die Leute aus⸗ gebeutet. Und es iſt auch wirklich wahr. Man ſchaue nur in den „Luthera⸗ ner“, man beachte die Maſſen der Caſſen. Alles Geld, was in dieſelben fließt, kommt aus den Taſchen der Gemeinden. Aber woher kommt dieſe Freigebig⸗ keit? — Wir predigen ihnen eben das ſüße Evangelium und machen ſie ihrer Seligkeit gewiß und in dieſer Gewißheit beweiſen ſie ihre Liebe und Dankbar⸗ keit durch reichliches Geben. Zweite Fortſetzung der Verhandlungen über die leitenden Sätze.*) Da daran erinnert wurde, daß faſt alle Predigten, welche in dieſen Tagen gehalten wurden, ſchon von dem göttlichen Segen, deſſen in den Sätzen 3—7 gedacht iſt, gehandelt haben, daß die Zeit dränge, und daß doch der zweite und dritte Theil hauptſächlich einer näheren Erwägung bedürfe, ſo beſchloß die Synode, gedachte Sätze der Privatüberlegung empfehlend, ſogleich zu der Frage überzugehen: „Welches ſind die Gefahren, dieſen Segen zu verſchütten?“ Zum Nachweis der allgemeinen Gefahren aller Zeiten iſt angeführt die Stelle Apoſt. Geſch. 20, 29. u. 30.: „Denn das weiß ich, daß nach meinem Abſchied werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Heerde nicht verſchonen werden. Auch aus euch ſelbſt werden aufſtehen Männer, die da verkehrte Lehren reden, die Jünger an ſich zu ziehen.“ Es ſind dies Worte des Apoſtels Pau⸗ lus in ſeiner Rede an die Biſchöfe zu Epheſus. Merkwürdig ſind ſie, da er ſowohl von Gefahren redet, welche von außen kommen, als auch von ſolchen, welche von innen an ſie heran treten würden. Von jenen ſagt er: „Es werden unter euch kommen greuliche Wölfe, die der Heerde nicht verſchonen werden.“ Von dieſen: „Aber auch aus euch ſelbſt werden aufſtehen Männer, *) Von Paſtor Beyer verfaßt.