# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S60 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 60 — iſt, ohne welchen ein Menſch den ſeligmachenden Glauben nicht haben kann. Wir aber ſagen: Es iſt freilich zu unterſcheiden zwiſchen Glaubensartikeln und anderen Lehren, die in der Bibel ſtehen. Wenn es ſich um einen Glau⸗ bensartikel handelt, ſo müſſen wir ſogleich gegen den Irrthum, als etwas ſchlechterdings zu Beſeitigendes, kämpfen. In Betreff anderer Lehren aber iſt zwar allerdings auch gegen den Irrthum zu kämpfen, dabei jedoch darauf zu ſehen, ob einer irre, weil er Gottes Wort nicht für Gottes Wort hält, oder aus Schwachheit. Die Glaubensartikel ſind ſo beſchaffen, daß, wenn man den oberſten leugnet, man auch alle folgenden leugnen muß oder umgekehrt. Unſer Glaube hält ſich z. B. nicht unbedingt an die Lehre, daß der Menſch⸗ heit Chriſti die göttlichen Eigenſchaften mitgetheilt ſind. Es kann einer ein Chriſt ſein, obgleich er dies nicht weiß. Sobald aber einer leugnet, daß Chriſtus nach ſeiner Menſchheit allgegenwärtig ſei, ſo kann man ihm nach⸗ weiſen, daß er leugnet, Gott ſei Menſch geworden. Darum können wir nicht einen Buchſtaben nachlaſſen in Glaubensartikeln, obwohl wir in anderen Lehren Frieden halten können, ſolange man feſthält: Die Bibel iſt Gottes Wort. Zu I. 2. Hierzu wurde vorerſt bemerkt: Wären unſere Gemeinden und Paſtoren von der Obrigkeit genöthigt worden, ſich an unſere Synode anzu⸗ ſchließen, ſo möchte es zweifelhaft ſein, ob das Wachſen unſerer Synode von Werth ſei. Der freiwillige Entſchluß aber, aus welchem der Anſchluß erfolgt iſt, iſt uns eine Bürgſchaft, ſoweit wir ſehen können, daß ein wirkliches Be⸗ dürfniß der Grund unſeres Zuſammenſchließens geweſen iſt. Mag auch die theologiſche Bildungsſtufe unſerer Paſtoren verſchieden ſein, ſo ſind doch alle in höherem oder geringerem Grade fähig, die göttliche Wahrheit zu predigen und nach Nothdurft zu vertheidigen. Nur wenige Fälle ſind vorgekommen, daß einzelne in Lehre oder Leben als ſträflich offenbar geworden ſind. Dasſelbe können wir auch von den Gemeinden ſagen. Mögen in den Gemeinden mancherlei Uebelſtände noch vorkommen, ſo iſt doch im Ganzen, laut der Viſi⸗ tationsberichte, der Zuſtand derſelben ein ſolcher, daß das gepredigte Wort Eingang findet und allenthalben Hoffnung der Heilung der Uebelſtände vor⸗ handen iſt. — Was den Einfluß unſerer Synode auf unſere eingewanderten Glaubensgenoſſen betrifft, ſo iſt dieſer Einfluß ein unberechenbarer. Das Wachsthum der Synode hat mit der Einwanderung faſt Schritt gehalten. Tauſende unſerer eingewanderten Glaubensgenoſſen ſind mit der reinen Predigt des Wortes verſorgt, vor grobem Unglauben und gottloſem Leben bewahrt worden, viele durch den Dienſt unſerer Synode zur Erkenntniß und Hoch⸗ ſchätzung des lutheriſchen Glaubens gekommen. Sicherlich genießen ſchon viele von ihnen die ſelige Frucht unſerer Arbeit in der Ewigkeit. Hierbei wurde geſagt: Zu den Worten „politiſcher Zwang“ könnte man noch hinzuſetzen: „oder Gewiſſenszwang“. Denn wir haben nie ge⸗ lehrt, daß eine Gemeinde nur dann die vollen Rechte einer wahren Kirche habe, wenn ſie zu einer Synode gehöre. Wir haben unſere jungen Prediger