# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S59 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 59 — dann ſind alle Kirchen gleichberechtigt. Aber wir behaupten: Die luthe⸗ riſche Kirche iſt die einzige in der Lehre reine Particularkirche. Es mag noch andere Kirchen geben, die eben ſo gut ſind. Wir wiſſen aber keine, weder in Europa, noch Aſien, noch Afrika, noch Auſtralien, noch Amerika. Wenn es eine ſolche gäbe, die die alte apoſtoliſche Lehre hätte, nur ſich nicht lutheriſch nennte, wir würden ihr die Hand reichen. Wir behaupten: Die lutheriſche Kirche iſt die einzige ſichtbare Kirche, welche die alte reine apoſtoliſche Lehre hat. Darum kann ſie mit keiner andern kirchliche Gemeinſchaft pflegen. Thut ſie es, ſo verleugnet ſie, was ihr Gott gegeben hat. Wir wollen es gerne widerrufen, wenn man uns beweiſ't, daß das Bekenntniß unſerer Kirche unbibliſch iſt. Kann man das nicht beweiſen, ſo iſt es leeres Geſchwätz, zu ſagen, wir wären hoffärtig, wenn wir behaupten, daß unſere Kirche die wahre ſichtbare Kirche Gottes auf Erden ſei. — Manche ſagen: In allen Hauptlehren müſſen wir einig ſein; aber wenn man auch in Nebenlehren Einigkeit fordere, ſo gehe man zu weit. Aus dieſer Meinung iſt die Theorie von den offenen Fragen entſtanden, da man die Stücke aufzählt, die man zu den offenen Fragen rechnen dürfe, und doch ſoweit geht, zuzugeben: Dieſe oder jene Lehre iſt allerdings eine Lehre der Schrift; aber weil es eine Neben⸗ lehre iſt, kann man ſie doch zu den offenen Fragen rechnen. Das iſt aber wider das klare Wort Gottes: „Wer nun eines von dieſen kleinſten Geboten auflöſet“ u. ſ. w., und: „Ein wenig Sauerteig verſäuert den ganzen Teig.“ Eine jede falſche Lehre iſt, ſo zu ſagen, ein Ei, das der Satan legt, in dem, wenn ausgebrütet, jedesmal die ganze Hölle ſteckt. Die Theorie von den offenen Fragen führt ſchließlich zum Unglauben. Denn iſt es erlaubt, ein Wort Gottes zu verleugnen, obwohl es Gottes Wort iſt, ſo kann man ſchließ⸗ lich alles leugnen. — Der Unionismus beſteht nicht darin, daß in einer kirchlichen Gemeinſchaft viel Irrthum iſt. Wir Miſſourier behaupten nicht, daß wir alle denſelben Grad der Erkenntniß erlangt haben; wir behaupten nicht, daß nicht manche Irrthümer unter uns ſich finden mögen. Wir geben das zu. Aber keiner iſt unter uns, der es wagte, auszuſprechen, es ſei er⸗ laubt, bei irgend einem Irrthum zu bleiben. Wir ſind damit auf's Reine gekommen. Wo der Irrthum ſich findet und offenbar wird, ſo muß er hin⸗ weg. Denn die Kirche ſoll keinen Irrthum haben. Es iſt mit dem Irr⸗ thum, wie mit der Sünde: Wir bekennen, wir ſind alle elende, verlorene und verdammte Sünder; aber als Chriſten wollen wir nicht ſündigen. Wollte nun einer ſagen: Ich weiß, das iſt Sünde, aber da die Chriſten anerkannter⸗ maßen nie von aller Sünde frei werden, ſo ſollt ihr mich darin nicht ſtören, ſo gehörte ein ſolcher in den Bann. So iſt es denn auch mit dem Irrthum. Wir irren zwar alle mannigfaltig; aber die Art der Kirche iſt: Sie will nicht irren. Sie achtet jeden Irrthum für ſchrecklich, thut ihn ab und thut dafür Buße, wenn ſie ihn erkennt; aber die falſche Kirche ſagt: Es iſt in dieſem Leben keine Einigkeit in der Lehre möglich. Laßt darum Jeden glauben, was er für recht hält, namentlich wenn es nicht ein primärer Artikel