# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S58 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 58 — mehr erkannte und vor papiſtizirender Richtung bewahrt wurde, d. h. vor pfäffiſchem Weſen, vor Sichverlaſſen auf das Aeußerliche, auf das opus ope- ratum, vor falſchem Gehorſam gegen Menſchen, welche eine beſondere Gewalt wegen ihres Amtes haben ſollen u. dergl. Auch diejenigen, die zu den Sachſen kamen, ſtacken in manchen papiſtiſchen Sachen; aber das iſt heruntergefallen, wie Zunder. Denn das Eine ſtand ihnen feſt, das Bekenntniß. Sie hatten es nur immer mit einer gefärbten Brille angeſehen. Als ſie dieſe abgenom⸗ men hatten, ſahen und ſagten ſie: Luther hat doch Recht. Er hat die Chriſtenheit aus den Klauen der Pfaffen geriſſen, die bloße Scheinkirche des Pabſtes in die Chriſtenkirche des Heilandes umgewandelt. — Uebrigens hat Gott als das Allerköſtlichſte unſerer Synode die reine Lehre von der Recht⸗ fertigung eines armen Sünders wieder geſchenkt. Daraus folgte mit Noth⸗ wendigkeit, daß ſie durch Gottes Gnade von aller romaniſirenden Richtung fern geblieben iſt. Denn dieſe Richtung verträgt ſich nicht mit jener Lehre. Die Worte anlangend: „Fern von unioniſtiſcher Richtung“, wurde ge⸗ ſagt: Man müſſe hier nicht ſowohl die grobe Union verſtehen, wie ſie heut⸗ zutage zwiſchen der lutheriſchen und reformirten Kirche beſtehe, als vielmehr jene ſubtile unioniſtiſche Richtung innerhalb der lutheriſchen Kirche, da man nämlich in klaren Artikeln des Glaubens „offene Fragen“ geſtattet oder mit Irrgläubigen Kanzel- und Altargemeinſchaft befürwortet. Auch vor dieſer ſubtilen unioniſtiſchen Richtung iſt unſere Synode durch Gottes Gnade be⸗ wahrt worden. Gewiß eine große Wohlthat. Man hat mit Recht geſagt: Die Union iſt das Grab der lutheriſchen Kirche. Der Unionsgeiſt iſt ſo gefährlich, weil er den Irrthum als gleichberechtigt mit der Wahrheit an⸗ erkennt. Wo das geſchieht, muß die Wahrheit untergehen. Aber Gott hat uns Muth und Freudigkeit gegeben, den Irrthum aus Gottes Wort zu ſtrafen und ihn zu fliehen. Gott wolle unſere Synode bei ſolchem Sinne erhalten. Hierbei kam die Frage in Betracht: Will Gott haben, daß es eine Kirche gebe, welche wirklich die Trägerin des reinen chriſtlichen Glaubens iſt, oder will er, daß ſeine Kirche eine Gemeinſchaft ſei, die ſich nur bemühe, die Wahrheit immer beſſer zu erkennen? Iſt das Letztere der Fall, ſo iſt die Kirche nur eine philoſophiſche; oder, wenn man will, eine chriſtoſophiſche Schule. Aber nein! Der HErr hat die Kirche gegründet als eine Säule der Wahrheit. Sie ſoll die Wahrheit tragen und von der Wahrheit getragen werden. Gibt es aber eine ſolche Kirche? Wir Lutheraner ſagen: Ja, und unſere lutheriſche Kirche iſt dieſelbe. Wir behaupten das getroſt. Wider⸗ legt es, wenn ihr könnt. Zeigt uns einen Irrthum in unſerem Bekenntniß, dann wollen wir nicht mehr behaupten, daß ſie die Kirche iſt, wie ſie Chriſtus in dieſem Leben hat haben wollen. — Unioniſtiſch iſt es, wenn man ſagt: Alle Kirchen ſind Schweſterkirchen, die lutheriſche iſt nur die beſte. Wenn das wahr iſt, dann iſt es auch recht, daß man einen Presbyterianer auf ſeine Kanzel und einen Reformirten zum lutheriſchen Abendmahl gehen läßt; denn