# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 57 — liche Bettler. Aber wir haben ſie noch durch Gottes Gnade. Möchte nur Gott ſeinen Heiligen Geiſt in dieſen Tagen ausgießen, daß es wie der Früh⸗ ling würde unter uns, daß das Herz wieder glühte, wie vor 25 Jahren, als wir den Vorſatz faßten: Wir wollen zuſammentreten zu einer Kirche nach altem Schlag, wir wollen die lutheriſche, reine, lautere Lehre glauben und bekennen, um auf dieſem Wege den Teufel und die Welt zu überwinden, ſelig zu ſterben und viele mit uns zum Himmel zu bringen. Geſchieht das nicht, ſo iſt unſer Jubelfeſt eine Leichenfeierlichkeit geweſen. Schrecklich, ſchrecklich! Ja, dahin iſt alles, was wir ſind, von dem Augenblicke an, daß wir zuge⸗ ſtehen: Es kann einer unter uns ſein und von unſerem Bekenntniß abgehen. Wir ſind eben überzeugt: Die Lehre unſeres Bekenntniſſes iſt die Lehre der Propheten und Apoſtel, die Gott der Welt gegeben hat, daß ſie ſelig werde. Von dieſer Lehre können wir nichts weggeben; denn in jedem Worte derſelben iſt Leben und Seligkeit. Geben wir nur ein Wort derſelben weg, ſo geben wir Leben und Seligkeit weg. Gott bewahre uns nur in Gnaden davor, etwas Neues zu wiſſen, zu ſuchen, zu lehren, den Ruhm der Wiſſenſchaftlich⸗ keit zu erſtreben und dabei das Heil der Seelen aus den Augen zu ſetzen. In Bezug auf die Worte: „Fern von papiſtizirender Richtung“, wurde bemerkt: Um recht zu erkennen, wie Gott uns vor dieſer Richtung bewahrt habe, ſei es vielleicht gut, einiges aus der Zeit vor der Gründung der Synode mitzutheilen. Wenigſtens die Sachſen ſtacken vorher in mancher Papiſterei. Sie hielten die äußerliche Kirche für die Kirche, außer welcher keine Seligkeit ſei. Dieſe Meinung brachte ſie nach Amerika. Sie hielten das Predigtamt, wenn es auch nicht ſo ausgeſprochen wurde, für ein Mitleramt zwiſchen Gott und den Menſchen, ohne welches man nicht zu Gott kommen könne. Sie hielten dafür, daß das Predigtamt allein die Schlüſſel des Himmelreichs habe; wer ſelig werden wolle, müſſe ſich zur rechten äußerlichen Kirche halten, müſſe dem Predigtamt unbedingt gehorchen. Aber Gott hat ſie errettet. Der, welcher an der Spitze ſtand, wurde geſtürzt und die, die vorher für alle Warnungen taub geweſen waren, wurden mit Gewalt aus ihrem ſchrecklichen Traume aufgeſchüttelt und ſahen auf einmal: Es iſt alles falſch, was wir bisher für die theuerſten Wahrheiten gehalten haben. Da wankte aller Grund des Glaubens unter ihren Füßen. Was thaten ſie aber? Sie gin⸗ gen in die Symbole. Da fanden ſie eine ganz andere Lehre von der Kirche, vom Predigtamt, vom Gehorſam dagegen, von der Ordination, vom geiſt⸗ lichen Prieſterthum, Weg zur Seligkeit, Mitteln der Gnade u. ſ. w. Grabau ſchrieb ihnen kurz darauf einen Brief und legte ſeinen ſogenannten Hirten⸗ brief bei. In demſelben fanden ſie ebendieſelben falſchen Lehren wieder, aus denen ſie eben errettet waren. Sie wieſen dieſelben natürlich zurück. Es entſtand darauf ein heftiger Kampf über dieſe Lehren. Aber dieſer Kampf hatte etwas Süßes in ſich. Er hat unſere Synode bewahrt, daß ſie nicht in ein Pfaffenthum hieingerathen iſt, wie denn aller Kampf, den die Synode zu beſtehen hatte, den herrlichen Nutzen brachte, daß ſie die reine Lehre immer⸗