# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S53 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 53 — können wir keinen Episkopalen, keinen Presbyterianer, keinen Methodiſten zu unſerm Abendmahl zulaſſen, ſo lange er nicht mit uns bekennt. Die aber ſolche zulaſſen, geben damit zu erkennen, daß ſie glauben, die Refor⸗ mation ſei eine Revolution geweſen, und Luther habe unrecht gethan, als er zu Marburg den Reformirten, die im Artikel vom Abendmahl des HErrn nicht recht bekannten, die Hand nicht reichte. Die ſolche Praxis üben und dulden, ſind eben Unirte. Wenn ſie ſich lutheriſch nennen, ſo iſt das nur um ſo ſchlimmer, da ſie dieſen theuren Namen brauchen und haben doch weder lutheriſche Lehre noch Praxis. Aber am Namen liegt es nicht, ſondern was der Name beſagt, darauf kommt es an. Es kann ſein, daß uns der Name noch einmal genommen wird. Nennt man uns doch jetzt ſchon die Miſſourier. Es kann auch ſo weit kommen, daß wir uns gar nicht mehr Lutheraner dürfen nennen. Es wäre nicht das erſte Mal, daß den Chriſten mit der reinen Lehre ihr Name genommen würde. Sie hießen erſt Chriſten, dann Katholiken, dann Evangeliſche und Proteſtanten. Den erſten Namen ſtahlen die Secten der früheſten Zeit, den andern die Päbſtler, den dritten nahmen uns die Unirten, den letzten die Rationaliſten. So kann uns auch der Name Lutheraner wieder genommen werden. Hat man die, welche der reinen lutheriſchen Lehre zugethan ſind, doch ſchon lange Altlutheraner ge⸗ nannt. Summa: nicht der Name, ſondern die Lehre iſt's, worauf alles ankommt. Vertagt mit dem Gebet des HErrn. Erſte Fortſetzung der Verhandlungen über die leitenden Sätze.*) Zunächſt bat ein Glied der Synode um weitere Erklärung eines Punktes im angenommenen Protokoll, der mit einer exegetiſchen Frage zuſammen⸗ hänge. Im angenommenen Protokoll ſei geſagt, die Wort⸗Inſpiration gehe aus dem Spruche hervor: „Der Menſch lebet nicht vom Brod allein“ u. ſ. w. Es ſei ihm nicht klar, daß dieſer Spruch das beweiſe. Darauf wurde geant⸗ wortet: Wenn der HErr JEſus vom Worte Gottes redet, namentlich an jener Stelle, wo er mit dem Teufel kämpft, gibt er zu erkennen, daß er nicht von einem überlieferten oder mündlichen Worte, auch nicht von dem Worte rede, das er jetzt ausſpricht, welches ein mündliches ſei, ſondern vom Worte der Schrift. Wenn der Israelit vom Worte Gottes, von den Rechten Got⸗ tes, von den Zeugniſſen Gottes hörte, verſtand er nie etwas anderes, als die Schrift. Wenn nun Chriſtus von einem jeglichen Worte, das durch den Mund Gottes geht, ſagt, daß der Menſch dadurch lebe, ſo iſt allerdings nicht direct, nicht geradezu, aber doch mittelbar die Wort⸗Inſpiration der heiligen Schrift darin ausgeſprochen. — Nachdem hierauf daran erinnert worden war, daß hier nicht Zeit und Ort ſei, ſolche exegetiſche Fragen und Sachen vorzunehmen, die mehr auf Conferenzen verhandelt werden ſollten, wurde beſchloſſen, über dieſen Punkt wegzugehen und zur Sache zu ſchreiten. Zu *) Von Paſtor J. G. Nützel verfaßtes Protokoll.