# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 51 — alle Ewigkeit. Darauf aber beruht alle unſre Hoffnung im Leben, Leiden und Sterben, in Zeit und Ewigkeit. Iſt das nicht wahr, ſo ſind die Chriſten die größten Narren, und die Teufel müſſen ihrer ſpotten in Ewigkeit. Aber nein, wir wiſſen: JEſus Chriſtus iſt der HErr der Herrlichkeit, der Fürſt des Lebens, und das iſt er geweſen, da er auf Erden in der Knechtsgeſtalt wandelte, und das wird er bleiben in alle Ewigkeit. Das leugnen die Neueren, und zwar thun das die allerbeſten ihrer Theologen. Es iſt eben ein Geiſt der Finſterniß über ſie ausgegoſſen, daß ſie nicht ſehen, was ſie verlaſſen haben. Sie meinen, das neunzehnte Jahrhundert fordre das von ihnen und ſie müſſen mit ihm Schritt halten, denn es mache andere Anſprüche an den Theologen, als die Zeit der Reformation. Sie haben aufgehört, Kinder zu ſein, die die Weisheit der Väter, ja des himmliſchen Vaters erſt lernen müſſen, ehe ſie etwas wiſſen; es gilt ihnen daher das Wort: „So ihr nicht umkehret und werdet wie die Kinder“ ꝛc. Delitzſch, ein ſonſt ſo eifriger und hochgelehrter, ja frommer Mann, iſt doch ſo verblendet, daß er es wagt, mit ſeinen unglück⸗ ſeligen Händen zu ſchreiben: Man könne ſich darauf nicht verlaſſen, daß eine Stelle des Alten Teſtaments recht ausgelegt ſei, weil ein Apoſtel oder Evangeliſt ſie ſo ausgelegt habe! Der alte gottſelige Brenz ſagte dagegen: Wenn Paulus eine Stelle ausgelegt habe, ſo müſſe der verflucht ſein, der vorgibt, das ſei nicht des Heiligen Geiſtes Auslegung. Jetzt ſagt man: O nein, das ſei eine große Befangenheit, zu glauben, das müſſe man ſo ohne weiteres annehmen. Der Apoſtel könne ſich da eben ſo geirrt haben, er habe blos eine Anwendung gemacht, und dergleichen. Und in einer ſolchen Zeit hat uns Gott die reine lutheriſche Lehre geſchenkt und bisher erhalten! — Wie ſah es aus in der lutheriſchen Kirche Deutſchlands zur Zeit der Grün⸗ dung unſerer Synode? In den Schulen waren Lehrer, welche weder an Gott glaubten, noch daß es einen Teufel gebe. Von den Kanzeln verkündete man den ſchaalſten Rationalismus. Daß JEſus Chriſtus Gottes Sohn und der Welt Heiland iſt, hörte man von Wenigen mehr, ſondern: „Ueb' immer Treu und Redlichkeit bis an dein kühles Grab“, und die Univerſitäten waren die Brutſtätten dieſer Peſt. Nun bedenke man das große Wunder, das Gott gethan, daß er uns Prediger, die in ſolchen Zeiten aufgewachſen waren und ausgebildet wurden, zur reinen lutheriſchen Lehre gebracht hat. Man hatte uns, äußerte ein Glied, ſehr bedenklich gemacht und gewarnt vor den Miſſou⸗ riern und ihrem Geiſte; da werde uns die Kehle zugeſchnürt werden. Und war es ein Wunder, daß die Leute, welche in dieſen Zeiten aufgewachſen waren, und nun herüberkamen, vor uns flohen oder uns doch gründlich miß⸗ trauten? Und dennoch haben wir Gemeinden auf Gemeinden gewonnen, und ſie haben die reine lutheriſche Lehre aufgenommen. Es iſt ein wahres Wunder der Barmherzigkeit Gottes, daß er uns ſo aus dem Sumpf geführt und auf einen Fels geſtellt hat. Deß ſollen wir fröhlich ſein! — Gehen wir nun nach Amerika. Wie ſtand es da? Wir können es nicht leugnen: als unſere Synode begann, gab es keine rechte lutheriſche Synode hier, als etwa