# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 48 — Brüder geweſen: die Miſſourier richten eine Zerſplitterung der Kirche an, weil ſie die Grenzen zu enge ſtecken, innerhalb welcher ſich die Lehre bewegen ſoll; aber freilich, die unglücklichen Menſchen wußten nicht, daß ſie damit ausſprachen, wie es in Folge ihres Verhaltens zur Lehre bereits bei ihnen ſteht. Wir ſind bei der reinen Lehre in ihren, wie man ſagte, engen Grenzen geblieben und haben Niemand geſagt: Ihr müßt zu uns kommen und euch in dieſe eng geſteckten Grenzen fügen; ſondern wir haben die Wahrheit ver⸗ kündigt und ſie gebeten, ſie anzunehmen, und ſie wollten nicht, während andere ſie mit Freuden aufnahmen. So kam es bei ihnen zur Zerſplitterung. Die aber haben ſich zu uns gefunden, welche durch das einmüthige Zeugniß der Wahrheit angezogen wurden. (Doch) wir haben uns zunächſt ſtrict an die Theſen zu halten, (darum): Wir wollten nach dieſer Theſis erſt davon ſprechen, daß unſere Synode begann, als ein allgemeiner Abfall vom lutheri⸗ ſchen Glauben und die größte kirchliche Zerriſſenheit beſtand. Denn wenn wir uns erſt deſſen bewußt werden, ſo wird es uns erſt recht deutlich werden, was Gott gethan hat, da er uns Einigkeit in der rein lutheriſchen Lehre ſchenkte und erhielt. Was heißt denn lutheriſche Lehre? Was heißt einig ſein in der lutheriſchen Lehre fern von papiſtizirender und unioniſtiſcher Rich⸗ tung? Das ſind die Punkte, an die ſich jetzt zunächſt jeder halten und über die er klar werden ſoll. Wir ſagen jetzt davon, daß die Zeit eine des faſt all⸗ gemeinen Abfalls geweſen ſei und noch ſei. Schon gar bald nach Luthers Tode ging in der lutheriſchen Kirche eine Zeit an, in der Gegner der lutheri⸗ ſchen Lehre in ihrer eignen Mitte faſt zur Herrſchaft kamen, denn als der Löwe todt war, da kamen die Füchſe hervor aus ihren Löchern, aber damals gab es noch Hunderte und Tauſende, in denen die lutheriſche Lehre verſiegelt war, die Gut und Blut, die Alles für ſie einſetzten. Es wurde eine böſe Zeit und ein langer, dreißigjähriger Kampf um die Wahrheit, aber der Sieg folgte, und der Triumph ſprach ſich aus in der Annahme der Concordienformel. — Während des ganzen 17ten Jahrhunderts gab Gott ſeiner Kirche eine Zeit reichen Segens. Da iſt ſie überſchüttet worden mit Schätzen göttlicher Erkenntniß, wie zu keiner Zeit ſo, auch der Apoſtel Zeit nicht, was das Volk betrifft. Aber was geſchah gar bald? Man verließ ſich darauf, daß man die Lehre rein habe, wurde faul, ſicher und übermüthig. Der Geiſt des Glaubens war vielfach verflogen, die leere Hülle geblieben. Da wollten Leute, die es herzlich gut meinten, der Kirche helfen und drangen nun auf lebendiges Chriſtenthum. Das waren die ſogenannten Pietiſten. Ein ganzes Heer aufrichtiger Männer wollten damit der Kirche helfen, daß ſie dem ſchönen, aber todten Leibe Leben einhauchen wollten durch ein vorwiegendes Dringen auf heiliges Leben. Aber das war verfehlt. Denn ſobald man auf reines Leben neben der Lehre dringt, mag man zwar ſ. g. Erweckungen wirken, aber man erweckt ein Scheinleben, denn das Glaubensleben entſpringt allein aus dem lebendigen Wort. Gar bald kamen dieſe Leute dahin, daß ſie anfingen zu moraliſiren. Der Kern, meinten ſie, ſtecke in den moraliſchen Regeln, die uns der Heiland gegeben hat;