# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1872_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 47 — Dieſem hochwichtigen Gegenſtande widmete die Synode fünf Vormittags⸗ Sitzungen. Die hierüber geſchehenen Ausſprachen laſſen wir nun hier im Zuſammenhange folgen. Beſprechung der Theſen.*) Vorſtehende Theſen wurden zunächſt von dem Herrn Verfaſſer, Paſtor Th. Brohm, im Zuſammenhang verleſen, und dann zu I. „Welches iſt dieſer Segen? 1. Daß, in der Zeit eines faſt allgemeinen Abfalls vom lutheri⸗ ſchen Glauben und der größten Zerriſſenheit der lutheriſchen Kirche, unter uns Einigkeit in der rein lutheriſchen Lehre, fern von papiſtizirender und unioniſtiſcher Richtung beſteht“, von dem Genannten zunächſt Folgendes zur Erklärung bemerkt: „Ich habe dies voran geſtellt, weil ja allerdings die Einigkeit im Glauben der größte Segen iſt und zugleich die Bedingung, unter welcher alles Andere ein Segen wird, denn ohne ſie würde alles Andere nichts ſein. Was die reine lutheriſche Lehre ſei, darüber kann ja unter uns keine Verſchiedenheit der Meinungen ſein. Sie iſt der Inbegriff der Lehre, die das Concordienbuch enthält. Die Geſammtheit dieſer Lehre iſt darunter verſtanden. Unter papiſtizirender Richtung will ich die heutzutage im Schwang gehenden Irrlehren von der Kirche, vom geiſtlichen Prieſterthum, vom Predigtamt, von der Ordination u. dgl. verſtanden wiſſen, die jedoch von denen, welche ſie hegen, gerade unter dem Vorgeben vorgebracht werden, daß ihre Lehre die rechte ſei. Unter unioniſtiſcher Richtung verſtehe ich nicht ſowohl die Union ſelbſt, wie man ſie jetzt im Allgemeinen kennt, ſondern jene unioniſtiſche Richtung inner⸗ halb der lutheriſchen Kirche, welche geoffenbarte Lehren als offene Fragen anerkannt wiſſen und mit Nichtlutheranern Kanzel⸗ und Altargemeinſchaft pflegen will. Unſere Synode iſt nun zwar von beiden Richtungen von außen zu verſchiedenen Zeiten angefochten worden, aber durch Gottes Gnade iſt ſie vor dieſem Verderben bis heute bewahrt geblieben. Dieſer Segen wird uns um ſo größer erſcheinen, je größer die Zerriſſenheit iſt, welche in der ſoge⸗ nannten lutheriſchen Kirche zur Zeit der Gründung unſerer Synode herrſchte. Wir würden dieſer Strömung nicht widerſtanden haben, wenn uns nicht der gnädige und barmherzige Gott ohn unſer Verdienſt und Würdigkeit davor bewahrt hätte.“ Von andern Synodalgliedern erfolgten nun weiter folgende Aus⸗ ſprachen: Es iſt ja gewiß und Gott hat es mit der That bewieſen, daß er bei uns auf dem Plan iſt, darum konnten wir auch ein ſo fröhliches und ſeliges Jubelfeſt feiern; und es iſt ja gewiß, was die Theſis hier ausſpricht, daß Gott uns aus großer Barmherzigkeit reichlich geſegnet hat zur Zeit der größten Zerriſſenheit der lutheriſchen Kirche. Aber es möchte beſonders darauf hin⸗ zuweiſen ſein, wie der HErr gerade in dieſem Punkte ſeine Verheißungen an unſerer Synode verſiegelt hat. Von jeher war es das Geſchrei der falſchen *) Hier beginnt das von Paſtor P. Beyer verfaßte Protokoll.