# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Dezember 1856_S374 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 374 Ein paar Sonnenstrahlen über Thüringen. Daß unsere Kirche in ihrer so scharf und vollständig entwickelten Lehre von den Sacramenten uns über diese Frage nicht in Zweifel lasse, kann uns von vornherein gewiß sein, und ebenso gewiß das andere: nehmlich, wenn wir der lutherischen Lehre von den Sacramenten gerade als unseres Schibboleths gegenüber andern Confessionen uns rühmen, so gilt es auch hier treu und consequent bei unserer Kirchenlehre zu verharren, sonst muß unser Ruhm eine gewaltige Lücke bekommen. — Die lutherische Kirche lehrt nun von den Sacramenten ganz klar und einfach, wie männiglich bekannt ist: 1. daß die Sacramente die in sich kräftigen Mittel des Heils sind, deren objective Realität ganz unabhängig ist vom Glauben des Empfängers (so daß sie also nicht erst durch den Glauben des Empfängers kräftig werden). Aber 2. sie lehrt ebenso bestimmt, daß die Sacramente auch schlechterdings weiter nichts sind, als Mittel und Werkzeuge, media, organa des Heils, zu deren subjectiver Wirkung an Menschen der Glaube erfordert wird, und wie jedes Mittel oder Werkzeug nichts nützt, wenn man es nicht gebraucht, so haben auch die Sacramente ohne den Glauben des Empfängers durchaus gar keine Wirkung oder Nutzen. Darum heißt's im Katechismus: die Taufe wirkt die Vergebung der Sünden, d. h. das Wasser der Taufe hat in sich als mit Gottes Wort verbunden die reale Kraft, dieses zu wirken, als eine in sich kräftige Arznei des Lebens, aber sie kann diese Wirkung nur ausüben bei denen, die sich ihrer Kraft gläubig hingeben, d. h. bei denen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten, ähnlich wie eine Arzenei nur ihre Kraft äußert bei denen, die sie einnehmen und ein Schlüssel die Thüren nur aufschließt denen, die ihn brauchen. Was soll nun gegenüber dieser unserer Kirchenlehre die Ansicht von einem durch die Taufe, auch aus Ungläubigen und Unbekehrten gebildeten Leibe Christi? Das kann uns entweder nur zu eitlen Ideen von einer mechanisch äußerlichen, nur todten, nicht lebenskräftigen, bloß räumlich leiblichen, nicht geistlichen Mittheilung der Heilsgüter an die Ungläubigen führen, oder aber es muß die durchaus wesentliche, zu den Grundpfeilern unserer Kirche gegenüber dem Romanismus gehörende Lehre mehr oder weniger verändern, daß ohne Glauben keine subjective Wirkung der Sacramente (d. h. keine Gnadenwirkung auf die Personen, welche dieselben gebrauchen), möglich ist. Steeden. Brunn. (Aus dem „Freimund.“) Ein paar Sonnenstrahlen über Thüringen. Unser kirchliches Leben ist im Laufe dieses Sommers ein ziemlich bewegtes, wiewohl sich diese Bewegung fast nur auf den Lehrstand in der Kirche bezieht; die Gemeinden nehmen keinen Theil. Bemerkenswerth für unsern kirchlichen Fortschritt ist der Umstand, daß