# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S69 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 69 — Der vorſtehende Miſſionsbericht rief eine längere und lebhafte De⸗ batte hervor, die ſich geradezu um das fernere „Sein oder Nicht⸗Sein“ unſerer Indianermiſſion drehte. Von der einen Seite wurde hingewieſen auf die furchtbare moraliſche Verdorbenheit der Indianer, die ſich ſonder⸗ lich in den Laſtern des Saufens und der Hurerei offenbare, auf ihre beiſpielloſe Gleichgültigkeit gegen das Evangelium, auf die vieljährige fruchtloſe Arbeit bei großem Koſtenaufwande, auf die Muthloſigkeit un⸗ ſerer Miſſionare, die ſich vielfach in ihren Berichten ausſpreche u. a. m. Angeſichts aller dieſer entmuthigenden Thatſachen, die auch in dem eben vernommenen Miſſionsbericht zu Tage treten, wurde gefragt, ob es nicht beſſer ſei, die Indianermiſſion ganz aufzugeben, wenigſtens die Station in Minneſota, als die hoffnungsloſeſte, eingehn zu laſſen, und das viele Geld, das dafür ausgegeben werde, lieber zum Miſſioniren unter unſern zerſtreuten predigerloſen Glaubensgenoſſen durch Reiſeprediger zu ver⸗ wenden. — Dagegen wurde aber von der andern Seite auf das Ernſt⸗ lichſte proteſtirt. Es hieß: Die ſittliche Verkommenheit der Indianer darf uns nicht irre machen in der von Gott uns befohlnen Arbeit; denn daß Schanden und Laſter unter ihnen herrſchen, kann uns nicht befremden, da ſie ja in heidniſcher Blindheit und Finſterniß liegen. Auch ihre Gleich⸗ gültigkeit gegen das Wort Gottes darf uns nicht von ihnen treiben, wir müſſen vielmehr bei ihnen ausharren, ſo lange ſie uns hören und dulden, und erſt, wenn ſie auch dies nicht mehr wollen, müſſen wir freilich den Staub von unſern Füßen ſchütteln; wollten wir ſie aber deswegen aufge⸗ ben, weil wir wenig oder keine Frucht ſehen, dann könnten wir mit eben⸗ ſoviel Recht auch manche von unſern deutſchen Gemeinden aufgeben. Wir haben ja nicht deswegen die Miſſion unternommen, weil wir große Frucht hofften, ſondern weil's Gott geboten hat; wenn er uns nun wenig oder keine Frucht ſehen läßt, ſo iſt das kein Zeichen, daß wir vergeblich arbei⸗ ten, ſondern er prüft nur unſern Glauben, ob wir fröhlich in Hoffnung auf ſeinen Befehl und ſeine Verheißung hin den Samen des Worts aus⸗ ſtreuen wollen. Wir ſollen an Beiſpiele, wie das von Hans Egede, den⸗ ken, der auch lange Jahre Geduld haben mußte, deſſen Arbeit aber endlich doch mit dem herrlichſten Erfolge gekrönt ward; oder wie das einer Nor⸗ wegiſchen Miſſion in Afrika, da erſt nach fünfzehnjähriger Arbeit der erſte Heide getauft werden konnte. Was unſre Miſſionare betrifft, ſo werden dieſelben mehr Muth und Freudigkeit bekommen, wenn wir alle ſelber mehr Glaubensmuth haben und fleißiger für ſie und ihre Arbeit beten. Und das viele Geld anlangend, das uns unſre Miſſion koſtet, ſo iſt daſſelbe gar nicht in Betracht zu ziehen, wenn wir bedenken, wie viel wir ausrich⸗ ten, wenn durch unſre Arbeit auch nur eine einzige Indianerſeele gerettet wird, würde auch zu andern Zwecken gar nicht ſo reichlich zufließen. Darum wollen wir, anſtatt durch die ſcheinbare Erfolgloſigkeit uns ermü⸗ den zu laſſen, vielmehr uns ermuntern, mit neuem Eifer in der Betreibung unſerer Miſſion fortzufahren, zumal es Gott dem Miſſionar Mießler endlich hat gelingen laſſen, die Chippeway⸗Sprache ſoweit zu erlernen, daß er in derſelben predigen kann, — das iſt ja eine uns von Gott ge⸗ ſchenkte Gabe, die wir anwenden müſſen. Unſerer Miſſionscommiſſion aber wollen wir dankbar ſein, daß ſie uns ſo ungeſchminkte, wahrheitsge⸗ treue Berichte giebt, zugleich auch Gott danken, daß er uns eine ſo ehrliche Miſſionscommiſſion geſchenkt hat.