# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S60 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 60 — Bei dieſem dritten Grunde wurde beſonders darauf hingewieſen, daß durch Gottes Gnade in unſern Anſtalten jetzt nicht nur die Lehre nach der einfältigen Weiſe unſerer alten Theologen vorgetragen werde, ſondern auch ein ächt evangeliſcher Geiſt herrſche. Beides ſei ein großes Kleinod, das wir mit allen möglichen Mitteln zu erhalten ſuchen ſollten. Nun habe Gott uns Beides durch Männer von gleicher Lebensführung und gleicher Erfahrung geſchenkt, die aber bisher getrennt gewirkt haben. Sollte es Gott gefallen, einen von dieſen Männern durch den Tod abzu⸗ rufen, ſo träte die große Gefahr ein, daß durch ſeinen Nachfolger, ſonder⸗ lich wenn derſelbe von Deutſchland berufen würde, Vieles verdorben werden und ein ganz anderer Geiſt in die Anſtalt kommen könnte, indem einestheils durch abſtrus⸗philoſophiſch⸗wiſſenſchaftliche Lehrdarſtellung, wie ſie jetzt auf deutſchen Univerſitäten beliebt iſt, die reine Lehre Schaden leiden, anderntheils durch verkehrte Disciplin entweder ein zu geſetzliches, oder ein zu freies, ungebundenes Weſen bei den Zöglingen einreißen könnte. Durch Vereinigung der Seminare und Zuſammenbringung der Männer, die ihnen vorſtehen, würde eine größere Gewähr geboten, daß ſolch Unheil abgewendet bliebe, der jetzt herrſchende Geiſt der Anſtalten erhalten und ein etwaiger neuer Lehrer in dieſen Geiſt eingeweiht und in die Amtsführung und die ganze Seminarführung an der Hand ſeiner ſchon länger wirkenden Collegen eingeführt würde. Nach langer Debatte ward auch dieſer erſt vielfach beanſtandete Grund einſtimmig anerkannt. 4. Der vierte Grund für die Vereinigung iſt die leichtere Ueberſicht über die Gaben der ausgebildeten Zöglinge behufs ihrer Verwen⸗ dung und damit Vermeidung ſonſt unvermeidlicher Fehlgriffe. Dieſer Grund leuchtete ſo ſehr ein, daß er ohne alle Debatte aner⸗ kannt ward. 5. Die Vereinigung iſt wünſchenswerth, weil dann theils die ſchon in reiferen Jahren und mit chriſtlicher Erfahrung eintretenden Zöglinge einen heilſamen Einfluß auf die andern von Jugend auf dazu geſchulten Zöglinge üben; theils ſolche weniger vorge⸗ bildete Schüler wiederum durch den Verkehr mit wiſſenſchaftlich ausgebildeten Zöglingen mehr zur Strebſamkeit angeregt und vor Einſeitigkeit bewahrt würden, und alſo ſowohl durch Zuſammen⸗ leben, als auch durch gemeinſamen und gegenſeitigen Unterricht eine heilſame Verſchmelzung beider geſchehe. Hierbei wurde erinnert: Wenn nach dem erſten und dritten Satze das ſchöne Ziel erſtrebt werden ſoll, daß durch immer klarere Erkenntniß der reinen Lehre die Lehrer in Eins geſchmolzen und falſche Lehrrich⸗ tungen abgewendet werden, ſo weiſe dieſer fünfte Grund auf den Vor⸗ theil der Vereinigung hin, daß die verſchiedenartigen Schüler beider Anſtalten in Eins geſchmolzen werden. Die in chriſtlicher Erfahrung und mancherlei Anfechtung ſchon mehr gereiften Zöglinge unſerer prak⸗ tiſchen Anſtalt werden den heilſamen Einfluß auf die Zöglinge der wiſ⸗ ſenſchaftlichen Anſtalten ausüben, daß dieſe nicht meinen, wenn ſie nur eine Summe von Kenntniſſen geſammelt hätten, ſo wäre ihre Aufgabe gelöſt, ſondern daß ſie vielmehr an jenen lernen, ihr Wiſſen auch praktiſch anzuwenden. Die wiſſenſchaftlich gebildeten Zöglinge dagegen werden