# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S57 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 57 — Knieen ſollten wir dahin rutſchen, wo wir den Troſt der Privatabſolution finden können. Damit iſt nun keinesweges geſagt, daß man den Leuten Gewiſſen machen, ſie drängen und treiben ſolle zur Privatbeichte, ſondern es ſoll nur eine Ermunterung für uns Prediger ſein, daß wir ihnen friſch und fröhlich den Segen, den das Evangelium reicht, in ſeiner ganzen Fülle anbieten. Uebrigens iſt auch hier von dem kirchlichen Inſtitut der Privat⸗Beichte nicht die Rede; denn das hat der Heiland nicht einge⸗ ſetzt, daß vor dem Abendmahl immer erſt gebeichtet werden müſſe, ſondern wir reden jetzt von der Privat⸗Abſolution an ſich, dieſe ſollen wir in ihrer Herrlichkeit recht erkennen. Das würde falſch und verkehrt ſein, wenn wir verſuchen wollten, den Leuten die Privatbeichte aufzu⸗ dringen; das hieße die Pferde hinter den Wagen ſpannen. Nein, wir wollen's ganz anders anfangen; wir wollen recht friſch und fröhlich ihnen die große Herrlichkeit der Privatabſolution vorſtellen, dann werden ſie endlich uns dringen, ihnen die Privatabſolution zu reichen. Einwurf: Es ſcheint aber doch aus dem Geſagten hervorzugehen, wird auch wohl hie und da ausgeſprochen, daß diejenigen, welche die Privatbeichte nicht gebrauchen, tadelnswerth und für ſchlechtere Chriſten zu achten ſeien, als die, welche ſie gebrauchen. — Antwort: Wir haben jedesmal, ſo oft wir von der Privatbeichte geredet, ausdrückliche Verwahrung eingelegt gegen ſolchen Unſinn. Je ernſter wir der Heiligung nachjagen, deſto mehr werden wir erkennen, wie ſchwer der Troſt der Vergebung zu faſſen; da werden wir denn nach und nach einſehen, welche große Seligkeit das iſt, daß die Verheißungen des Evangeliums nicht bloß im Allgemeinen verkündigt, ſondern durch beſtellte Diener in der Privatabſolution uns auch inſonderheit zugeeignet werden: ein verfluchter und ſchändlicher Gräuel aber iſt es, wenn man auf ſolche Weiſe die Privatbeichte den Gemeinden aufzudringen verſucht. Wenn die Lehre, um die ſich's im Referat handelt, recht wird zur Klarheit kommen, dann wird, was wir wünſchen, ſchon von ſelbſt kommen; darum ſollen wir nur die Lehre recht treiben. Viele Heuchler gehen zur Privatbeichte, und viele rechtſchaf⸗ fene Chriſten zur allgemeinen Beichte. Daß die Privatbeichte ſo gering angeſehen wird, liegt im Mangel an rechter Erkenntniß dieſer Lehre, daß Prediger die Macht, Sünden zu vergeben, haben und daß ihr Wort, weil Gottes Wort, gültig iſt; das iſt noch nicht recht von Herzen ergrif⸗ fen und in den Herzen noch nicht recht lebendig geworden; man denkt: Nun ich höre es ja alle Sonntage, glaube es auch und erfahre die Kraft des Worts an meinem Herzen; wir glauben nicht feſt, daß wir Verge⸗ bung der Sünden haben nur durchs Wort, nicht wegen unſeres Herzens⸗ zuſtandes, es ſteckt in uns allen, daß wir unſern Troſt auf unſern Herzens⸗ zuſtand gründen, während er doch nur in dem Worte ſteckt. Kann's etwas Tröſtlicheres geben, als daß Gott uns armen Sündern in der Privatabſolution ſo nahe tritt? Daß die Gemeinden noch mit ſo viel Widerwillen gegen die Privatbeichte erfüllt ſind, liegt auch daran, daß wir Prediger noch nicht ſo verſtehen das Evangelium zu predigen, wie wir ſollten. Gewiß, je ſüßer und lieblicher wir verſtünden das Evangelium als eine Kraft Gottes den Leuten vorzuhalten, deſto mehr Glaube würde erweckt werden; je mehr Glaube erweckt würde, deſto mehr Anfechtung würde es geben; und je mehr Anfechtung, deſto mehr Begierde nach Troſt