# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 56 — Beſtimmung jenes Befehls, beſonders ausgeſprochen. Auf die jetzt wiederholte Frage, ob denn nicht eben wegen der beſonderen Einſetzung der Privatabſolution auch ein beſonderer Troſt in derſelben liege? erfolgte die Antwort: Allerdings kann man ſagen, es liege ein beſonderer Troſt darin, wenn man nur damit nicht meint, es liege ein beſonderes Gut darin; der beſondere Troſt aber iſt, daß ich weiß, ich erhalte hier die Vergebung für meine Perſon. So iſt alſo die Privatabſolution wohl eine beſondere Einſetzung Gottes, aber es iſt nicht ſo, daß uns in dieſer beſonderen Einſetzung ein beſonderes Gut gegeben wird, welches in der allgemeinen Predigt des Evangeliums nicht läge. Am beſten redet man alſo: Die Privatabſolution kann mir dazu dienen, daß ich des Troſtes der Vergebung gewiſſer werde; ſie iſt nicht eine größere Verſicherung, als das öffentlich gepredigte Wort, aber ſie kann mich gewiſſer machen, weil da geſagt wird: Du, du biſt der Mann, dir, dir ſind deine Sünden vergeben; ſie hilft mir daher etwas, was mir die öffentliche Predigt nicht hilft. Dieſes recht deutlich zu machen, dazu diente folgendes Gleichniß: Es hat eine ganze Stadt gegen ihren König rebellirt und iſt allen Einwohnern gedroht, daß ſie gerädert werden ſollen, und zwar von unten auf; aber der König iſt gnädig und läßt der ganzen rebelliſchen Bürgerſchaft Pardon verkündigen. Da ſie nun einige Haupt⸗ rädelsführer (wie ſich denn wahre Chriſten immer für Haupträdelsführer und die vornehmſten unter den Sündern mit dem Apoſtel halten), die denken zitternd und bebend: Wer weiß, ob ihr in den Pardon ein⸗ geſchloſſen ſeid! Ja, wenn ihr jeder für ſeine Perſon den Pardon in Händen hättet! Wenn nun der König ſeine Boten ſchickte und einem jeden ſagen ließe: Du, Hans, Peter, oder wie du heißen magſt, biſt begnadigt, das würde ſie doch ohne Zweifel der Gnade ganz gewiß und ihr Herz fröhlich machen. In Betreff obiger Ausſprachen wurde eingewandt: Wenn zwiſchen der Privatabſolution und der Predigt des Evangelii kein weſentlicher Unterſchied iſt und die eine kein anderes, ſondern ganz daſſelbe Gut dar⸗ gereicht, wie die andere, ſo begreift man nicht, warum die Privatabſo⸗ lution ſo ſehr hervorgehoben und geprieſen wird; der müßte ja gar keinen Verſtand haben, der ſich der öffentlichen Predigt nicht ebenſogut anneh⸗ men und getröſten könnte, als der Privatabſolution. — Dagegen ward erwiedert: Dann kann man auch nicht begreifen, warum der Herr Chri⸗ ſtus neben der Predigt auch noch die Taufe und das heil. Abendmahl eingeſetzt hat; denn zwiſchen dieſen und der Predigt iſt auch kein weſent⸗ licher Unterſchied. Dann muß man ſich auch wundern, daß Chriſtus nach ſeiner Auferſtehung ſpricht: „Saget es ſeinen Jüngern und Petro“; dann muß man auch ſagen: Petrus hat keinen Verſtand gehabt, daß er ſich den Troſt nicht zueignen konnte, da er den Apoſteln insgemein gebracht wurde, zu denen er ja gehörte; aber Petrus dachte: Du biſt kein Apoſtel mehr, darum ließ ihn der Herr inſonderheit Troſt bringen. Unſere Alten ſagen: Nicht das iſt es, was dem Chriſten Scrupel macht, ob die Welt erlöſt ſei, ſondern ob er ſelbſt erlöſt ſei, d. i. ob die allgemeine Erlöſung auch ihn für ſeine Perſon angehe. Auf unſere Kniee ſollten wir fallen und Gott danken, daß er uns ſolchen Troſtquell geöffnet hat, auf unſern