# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S55 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 55 — zugreift, der hat's. Mit der Privatabſolution iſt's aber alſo, wie wenn der Diener des reichen Mannes einen Zaghaften, der nicht zuzugreifen wagt, das Goldſtück in die Hand drückt. Wie hier der Einzelne kein beſſeres Goldſtück hat, als die Andern, ſo wird auch durch die Privat⸗ abſolution nichts Anderes und Beſſeres gegeben, als durch die Predigt. Es iſt ein falſcher Unterſchied, der häufig gemacht wird, daß in der Predigt der Schatz der Vergebung der Sünden nur ver⸗ kündigt, oder auch angeboten, in der Privatabſolution aber mitgetheilt werde. Wenn Dr. Luther von größerer Ge⸗ wißheit der Vergebung in der Privatabſolution redet, ſo will er nichts weiter ſagen, als: Es iſt dem Gläubigen ſchwerer, ſich den Troſt in der allgemeinen Predigt anzueignen, als in der Privatabſolution. Auf den Einwand, ob nicht aber doch die Privatabſolution einen beſon⸗ dern Troſt gebe, den die Predigt des Evangeliums nicht gewähre, ward erwiedert: Wie kann irgend etwas einen beſondern Troſt geben, da das Evangelium die Fülle alles Troſtes iſt? Die Sacramente ſind nichts anderes, als ein ſichtbares Wort, ihr Inhalt iſt daher ganz derſelbe, wie der des Wortes. Daß Gott neben dem Wort noch die Sacramente, darin er mit dem Einzelnen handelt, verordnet hat, damit hat er den Zuſtand der Gläubigen berückſichtiget; weil es nämlich bei der Schwach⸗ heit dieſes Lebens dem Gläubigen ſchwerer wird, ſich den Troſt anzu⸗ eignen, wenn er nur im Allgemeinen dem Haufen verkündigt wird, darum iſt Gott, wie Luther ſagt, nicht ſo karg, ſondern hat verordnet, daß der Troſt allerlei Weiſe dem Gläubigen dargereicht wird. Wir ſehen hierin alſo Gottes wunderbare Herablaſſung zu der Schwachheit ſeiner Gläubigen; weil er weiß, wie ſchwer es ihnen wird, in der allgemeinen Predigt den Troſt zu ergreifen, darum hat er Privatabſolution, Taufe und Abend⸗ mahl für die Einzelnen gegeben, damit Jeder wiſſe, hier bin ich die Perſon, mit welcher Gott redet und handelt. Die hier geſtellte Frage, ob Chriſtus in den Worten: „Welchen ihr die Sünden erlaſſet“ u. ſ. w. die Privatbeichte eingeſetzt habe? wurde beſtimmt mit Nein beantwortet, wie auch bemerkt, daß in der Stelle, Jac. 5,16.: „Bekenne einer dem andern ſeine Sünden,“ woraus die Papiſten die göttliche Einſetzung ihrer Ohrenbeichte beweiſen wollen, nur von dem Bekenntniß gegenſeitiger Beleidigungen und Verſündigungen unter den Chriſten die Rede ſei; wohl aber bezeugte man, daß in den Worten Chriſti, Joh. 20, 23. die Privatabſolution eingeſetzt ſei. Dies Letztere wurde folgendermaßen bewieſen: Der Herr hat befohlen, daß ſein Volk getröſtet werden ſoll mit einem gewiſſen Troſte, er will, daß Alle ſelig werden, das Evangelium ſoll geprediget werden aller Creatur; iſt hiermit die Predigt des Evangeliums für Alle befohlen, wie vielmehr für den Einzelnen! Wenn auch die Worte: „Welchen ihr die Sünden erlaſſet“ ꝛc. nichts anderes ſind, als eine weitere Erklärung des Befehls Chriſti: „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Creatur,“ und alſo nur eine Auseinanderfaltung der Schätze des Evangeliums, durch die Predigt dargereicht, ſo kann man doch nicht läugnen, daß der Herr die Privatabſolution in denſelben beſonders befohlen habe. Dieſelbe liegt allerdings ſchon in dem allgemeinen Befehl: „Prediget das Evangelium aller Creatur,“ aber weil wir leicht denken könnten, ſie liege nicht darin, darum hat's der Herr in dem andern Wort, als der näheren