# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S54 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 54 — lution doch denen nicht ertheilt werden, die uns ſagen, ſie wollen nicht abſolvirt ſein. Das ſagen uns aber diejenigen, die unbußfertig in offen⸗ baren Sünden, oder in öffentlicher Ketzerei leben. Dieſe werden von uns deswegen nicht abſolvirt, weil wir ſonſt den Namen Gottes miß⸗ brauchen würden, was uns im zweiten Gebot verboten iſt. Wenn ſolche nun auch immerhin ſagen, ſie wollten abſolvirt ſein, ſo iſt das doch nicht wahr; denn ſie wollen nicht von allen Sünden abſolvirt ſein, da ſie ja in einzelnen muthwilligen Sünden, oder in Ketzereien beharren wollen. 2. Frage: Wenn der Löſeſchlüſſel immer untrüglich iſt, ſo muß eben ſo untrüglich immer der Bindeſchlüſſel ſein; wie verhält ſich's nun aber mit dem falſchen Bann, wobei der Bindeſchlüſſel gemißbraucht wird? und in welchem Falle muß der Bann als Mißbrauch der Schlüſſelgewalt angeſehen werden? Antwort: Die Löſung dieſer Frage iſt im kleinen Catechismus ſo deutlich gegeben, daß ſie gar nicht deutlicher gegeben werden kann. Es iſt nämlich der Bindeſchlüſſel an öffentlichen und unbußfertigen Sündern zu gebrauchen. Derſelbe iſt und bleibt nun zwar immer der Binde⸗ ſchlüſſel, wo er auch angewandt werde; aber wenn man Solchen die Sünde behält, denen man ſie nach Gottes Wort nicht behalten darf, ſo iſt das Mißbrauch des Bindeſchlüſſels und falſcher Bann. Im Betreff des Banns iſt uns Matth. 18. eine untrügliche Regel von Chriſto ſelbſt gegeben, nach welcher wir verfahren müſſen. Dabei thut es nicht noth, in's Herz zu ſehen; denn da richtet und urtheilt man über das, was offen zu Tage liegt, nämlich über öffentliche Sünde und Unbußfertigkeit, welche letztere eben dadurch offenbar wird, daß der öffentliche Sünder bei der dritten Stufe der Ermahnung die Gemeinde nicht hören will. Hierbei iſt nicht zu vergeſſen, daß der des Bannes Würdige allemal im Gewiſſen überführt iſt, daß er mit Recht ausgeſchloſſen und für einen Heiden und Zöllner gehalten werde. Sechster Satz: Durch die Privatabſolution wird zwar keine weſentlich andere oder beſſere Vergebung mitgetheilt, als in der Predigt des Evangeliums, ſie iſt auch zur Erlangung der Vergebung nicht in der Weiſe nothwendig, als ob ohne ſie keine Vergebung ſtattfände; dennoch hat ſie ihren beſondern Werth und Nutzen, weil durch dieſelbe der Einzelne gewiſſer gemacht wird, daß die Vergebung der Sünden auch ihm gehört. Der erſte Punkt dieſes Satzes, daß in der Privatabſolution keine weſentlich andere und beſſere Vergebung, als in der Predigt des Evangeli⸗ ums mitgetheilt werde, iſt ſchon bei dem erſten Satze mit erläutert worden; denn wenn das Evangelium weſentlich nichts anderes iſt, als Abſolution, ſo theilt auch die Privatabſolution nichts weſentlich Anderes mit, als die Predigt des Evangeliums. Ein Gleichniß kann das Verhältniß der Privatabſolution zur allgemeinen Abſolution in der Predigt deutlich machen. Mit der allgemeinen Abſolution durch die Predigt verhält ſich's ſo, wie wenn ein reicher Mann eine Maſſe Goldſtücke unter eine Menge wirft mit der Abſicht, daß jeder ein Goldſtück empfangen ſoll; wer nun