# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S53 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 53 — Ich darf mich nicht die bußfertige Erkenntniß, daß ich ein Böſewicht vor Gott bin, abhalten laſſen, den Löſeſchlüſſel zu gebrauchen; denn dieſer Schlüſſel ſucht eben lauter Böſewichter, die gebunden ſind, und die löſt er. Die Prediger haben von Gott den Befehl, der Welt Sünden zu vergeben, ich gehöre zu der Welt, alſo ſollen die Sünden auch mir vergeben werden, ſo ſoll ich ſchließen, wenn ich mich als einen Böſewicht vor Gott erkenne. Gott fordert von mir die Annahme der Vergebung, d. i. Glauben, und weil ohne Reue kein Glaube möglich iſt, Reue, aber um den Grad der Reue ſoll ich mich nicht abquälen. Wenn ich ſo viel Reue habe, daß ich gern Vergebung haben möchte, ſo iſt's genug. Gott ſagt nicht, die Reue, ſondern der Glaube hat Vergebung. Ich ſoll gar nicht fragen, ob ich einen gewiſſen Grad von Reue habe, ſondern ob ich Glauben habe, und wenn ich merke, daß mir's noch am Glauben mangelt, ſoll ich anfangen zu glauben. Man martere ſich nicht mit der Frage, ob man einmal eine Zeit gehabt habe, da man außerordentliche Erfahrungen an ſeiner Seele gemacht habe; denn du kannſt vor 30 Jahren herrliche Erfahrungen gemacht, ja dieſelben auch viele Jahre lang immer gehabt haben und eben jetzt nichts davon ſpüren. Dies iſt auch wichtig, z. B. bei der Tröſtung eines Kranken; den ſoll ich nicht fragen: Haſt du denn dies und das jemals erfahren? und wenn er Ja ſagt, ihm zurufen: Nun ſiehe, weil du das erfahren haſt, darum ſei getroſt und glaube, daß du ein Kind Gottes biſt; ſondern den ſoll ich fragen: Möchteſt du den Herrn Jeſum und ſeine Gnade gerne haben? und wenn er das bejahet, ihm den vollen Troſt des Evangeliums verkündigen. Zwei Fragen bezüglich dieſes vierten Stücks des vorliegenden Satzes wurden nun noch in die Synode geworfen und beantwortet. 1., Wir ſagen: Die Abſolution iſt nie ein Fehlſchlüſſel, ſondern reicht die Ver⸗ gebung dar, ſo oft ſie geſprochen wird, und glauben das alle feſt; ſollte es aber nicht nöthig ſein, durch eine ausdrückliche Erklärung der Synode einen Riegel vorzuſchieben, daß dieſe Wahrheit in der Kirche nicht gemiß⸗ braucht werde? „Antwort: Es ſteht mit uns doch wohl noch ſo, daß es viel nöthiger iſt, die ausgeſprochene Wahrheit erſt recht gründlich zu erkennen, damit wir ſie auch recht fröhlich predigen und den großen Schatz des Evangeliums in ſeiner ganzen Fülle darreichen lernen, als uns vor Miß⸗ brauch bange ſein zu laſſen, und es bedarf gewiß der Warnung an uns, daß wir keinen Riegel vorſchieben, wo Gott keinen vorgeſchoben hat. Es iſt ja gewiß, daß vor Mißbrauch gewarnt werden muß, aber wir müſſen uns doch ja in Acht nehmen, daß wir, wenn wir den Troſt des Evange⸗ liums ausgeſchüttet haben, denſelben dadurch nicht wieder verklauſuliren, daß wir ſagen: Ja, mein Lieber, nun mußt du aber ſo und ſo beſchaffen ſein, wenn du es wagen willſt, dich des Troſtes anzunehmen. Wir ſollen wohl bedenken, daß wir gar kein Recht haben, Bedingungen zu machen, und daß der Prediger, der eine bedingte, und zwar von Seiten Gottes bedingte Abſolution ſpricht, verflucht iſt. — Wenn wir ſagen, die Abſo⸗ lution ſei jedem Menſchen zu ſprechen und ſei allemal gültig, ſo könnte wohl Jemand auf den Gedanken kommen, es ſei keine Kirchenzucht nöthig und müſſe allemal Jeder, der kommt, zur Abſolution und zum Abendmahl zugelaſſen werden; allein das iſt damit keineswegs geſagt. Obgleich die ganze Welt nach Gottes Befehl abſolvirt werden ſoll, ſo ſoll die Abſo⸗