# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S52 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 52 — Das dritte Stück der Theſe: „Ohne Glauben iſt die Abſolution dem Menſchen nichts nütze,“ wurde als Allen klar erkannt, und darum gleich das vierte Stück vorgenommen: „Wiewohl ſie darum kein Fehlſchlüſſel iſt.“ Darüber ſprach ſich die Synode alſo aus: Obgleich dieſer letzte Satz im Referat vielfach erläutert iſt, ſo iſt er doch ſo wichtig, daß wir nicht ſo ſchnell darüber hingehn dürfen. Man muß hierbei den Unterſchied zwiſchen dem Mittel der Darreichung (dem Evangelio) und dem Mittel des Annehmens (dem Glauben) recht feſthalten. Das Mittel der Darreichung fehlet nie und kann nie fehlen. Wenn wir Prediger alle glaubten, daß wir keinen clavis errans (Fehlſchlüſſel) haben, wir würden viel fröhlicher und getroſter den Leuten den überſchwänglichen Troſt des Evangeliums in ſeiner ganzen Fülle darreichen. Obwohl wir aber dem Princip nach einen Fehlſchlüſſel nicht glauben, ſo kommen uns in der Praxis doch mancherlei Bedenken, ob wir den Schatz des Evangeliums in ſeiner ganzen Fülle darreichen dürfen, woraus hervorgeht, daß wir, aufge⸗ wachſen unter den Einflüſſen dieſer Zeit, doch etwas vom Glauben des Fehlſchlüſſels in unſern Herzen tragen. Einer der Synodalen beſtätigte dies durch ſein eigenes Beiſpiel; er habe, ſagte er, ſonſt auch gemeint, wenn der Menſch nicht glaube, ſo gehe die Abſolution ihm gleichſam über den Kopf hinweg; aber man müſſe dagegen Luthers Wort beherzigen: die Sonne, die auf einen Dieb und Räuber und einen ehrlichen Mann ſcheint, bleibt dieſelbe Sonne, und das Gold in der Hand eines Böſe⸗ wichts bleibt daſſelbe Gold. Hierher gehöre auch das Wort im Gleichniß vom Säemann: „Darnach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen.“ Daſſelbe gelte auch von den Sacramenten. Der Schatz werde immer gegeben, aber ohne Glauben nicht empfangen. Das ſei auch ein großer Troſt für den Seelſorger, daß er ſich nicht, wie einſt Caſpar Schade, darüber zu martern und zu ängſtigen brauche, daß er die Abſolution ja keinem Unwürdigen ertheile; denn wenn der Prediger gewiß ſei, daß ſeine Abſolution kein Fehlſchlüſſel iſt, ſo falle das Bedenken. — Darauf wurde weiter ausgeſprochen: Das vom Fehlſchlüſſel Geſagte iſt nicht allein wichtig für die Prediger, ſondern vornehmlich auch für die Zuhörer. Warum kommen ſonſt rechtſchaffene Chriſten nicht mit rechter Begierde und Sehn⸗ ſucht in die Beichte? Warum hat man ſo große Abneigung gegen die Privatbeichte? Der Hauptgrund iſt, weil ſie denken: Wenn du weißt, du biſt ein Chriſt, du haſt Vergebung der Sünden, darfſt du hingehen; wenn du dies dagegen nicht weißt, darfſt du nicht hingehen, du könnteſt dir die Abſolution ſonſt zum Gericht nehmen, ja du empfingeſt gar keine Abſolution, ſondern Fluch und Verdammniß. Wüßten und glaubten ſie, daß jederzeit, wenn der Prediger ſpricht: Dir ſind deine Sünden ver⸗ geben, das wirklich ſo iſt, Gott wirklich Ja und Amen dazu ſagt, das Wort wirklich von Sünden löſt, der Schlüſſel wirklich ſchließt, ſo würden ſie viel mehr Verlangen haben nach dem großen Schatze. Sie denken aber oft: Der Schlüſſel paßt wohl, aber ich müßte eine beſſere Thür ſein, wenn er mein nicht fehlen ſollte; allein dies iſt falſch, der Schlüſſel fehlet nie. So wahr Gott im Himmel lebt, ſo gewiß bin ich abſolvirt, wenn mich der Prediger abſolvirt; wenn ich daher die Vergebung nicht erlange, ſoll ich nicht ſagen: Der Schlüſſel hat gefehlt, ſondern: Ich habe gefehlet.