# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S51 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 51 — Fünfter Satz: Die Wirkung der Abſolution gründet ſich nicht auf des Menſchen Reue, Beichte und Genugthuung, die Abſolution fordert aber Glauben, wirkt und ſtärkt den⸗ ſelben, ohne Glauben iſt ſie dem Menſchen nichts nütze, wiewohl ſie darum kein Fehlſchlüſſel iſt. Ueber den erſten Theil dieſes Satzes: „Die Wirkung der Abſolution gründet ſich nicht auf des Menſchen Reue, Beichte und Genugthuung,“ wurde ausgeſprochen: Daß gelehrt wird: Niemand kann den Troſt der Abſolution erfahren, außer wer in rechter Reue ſteht, dies wird häufig alſo mißverſtanden, als ob die Reue eine verdienſtliche Bedingung wäre der Kraft und Frucht der Abſolution. Es kann ja freilich in keinem Herzen der wahre Glaube wurzeln, welches noch fleiſchlich ſicher und ohne Reue iſt, aber darauf, daß man Reue hat, iſt der Troſt nicht zu gründen. Daher iſt es gefähr⸗ lich, alſo zu predigen, daß man, anſtatt durch ſeine Predigt Reue zu wirken, immer nur Reue fordert; dadurch kommen die Leute auf ſolche Gedanken, als wäre die Reue verdienſtliche Bedingung der Vergebung. Der zweite Theil des Satzes: „Die Abſolution fordert Glauben, wirkt und ſtärkt denſelben,“ wurde folgender⸗ maßen erläutert: So ſelbſtverſtändlich dies zu ſein ſcheint, von ſolcher Wichtigkeit iſt es. Sehr viele Erweckte ſtoßen ſich an der luth. Lehre von den Gnadenmitteln, weil ſie wähnen, wir glaubten, der Menſch könne durch bloße äußerliche Mittel in den Himmel kommen; denn wir ſagen ja, die Taufe mache ſelig, die Abſolution mache ſelig, das heil. Abend⸗ mahl mache ſelig, machen alſo den Gebrauch dieſer äußerlichen Mittel zum opus operatum (d. h. wir lehren, daß der bloße äußerliche Gebrauch der Gnadenmittel verdienſtlich ſei zur Erlangung der Seligkeit.) Aber Solche ſollten doch bedenken, daß der Vorwurf des opus operatum nur die Papiſten trifft, die da ſagen: Wenn wir nur keinen Riegel vorſchie⸗ ben, ſo macht der Gebrauch der Taufe, Abſolution und Communion ſelig. Wir dagegen ſagen: Es iſt noch lange nicht genug, keinen Riegel vor⸗ zuſchieben (wenn wir das überhaupt vermöchten, keinen Riegel vorzu⸗ ſchieben), ſondern es muß noch viel mehr, nämlich der Glaube da ſein, wenn wir die Gnadenmittel heilſamlich gebrauchen und ſelig werden wollen. Was ſollte aber mehr, als der Glaube, nöthig ſein? Sind nicht alle Kräfte lebendigen Chriſtenthums im Glauben enthalten? Frei⸗ lich iſt es gewiß, Taufe und Abſolution und Abendmahl machen uns ſelig, aber wenn wir glauben. So iſt jedes Bedenken, als ob wir den Gebrauch der Gnadenmittel zum opus operatum machten, gehoben. — Wenn geſagt wird, daß die Abſolution den Glauben fordere, wirke und ſtärke, ſo iſt zuvörderſt unter dem Fordern kein geſetzliches Fordern zu verſtehen, ſondern das Fordern des Evangeliums; es heißt ſo viel: der Glaube iſt erforderlich, um die Frucht der Abſolution zu genießen. Was den ganzen Satz betrifft, ſo erklärt er ſich ſchön durch das Bei⸗ ſpiel von einem reichen Manne, der einem Armen eine Gabe darreicht. Durch das Darreichen wird der Arme bewogen, daß er ſeine Hand entgegenſtreckt, und indem er ſie entgegenſtreckt, empfängt er zugleich die Gabe.