# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S49 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 49 — den Menſchen gegeben hat.“ Warum wird das vom Evange⸗ liſten beſonders erwähnt, daß das Volk Gott geprieſen, der ſolche Macht den Menſchen gegeben habe? Er will damit anzeigen, daß der heil. Geiſt in jenem Volk, das Chriſtum noch nicht für wahren Gott erkannte, doch dieſe herrliche Erkenntniß gewirkt habe, daß ſolche Macht, nämlich Sünde zu vergeben, den Menſchen gegeben iſt. Wie dort Chriſtus, auch nach ſeiner Menſchheit, Sünde vergeben hat, ſo werden auch uns jetzt durch Menſchen unſere Sünden vergeben. In Bezug auf den gewöhnlichen Einwand Vieler: Wie kannſt du dir anmaßen, mir die Sünde vergeben zu wollen? Du kannſt ja nicht wiſſen, ob ich bei Gott in Gnaden ſtehe! wurde bemerkt, dieſes Bedenken komme daher, daß die Leute glauben, es müſſe erſt in ihnen etwas vor⸗ gegangen ſein, auf Grund deſſen ſie ſich der Vergebung der Sünden getröſten dürften, während doch durch die Vergebung erſt Erfahrungen gewirkt werden. Nach der Schrift gehört die Vergebung Allen, ſoll auch Allen geſprochen werden, nur nicht den Säuen und Hunden, d. i. Solchen, die durch offenbare Gottloſigkeit und Unbußfertigkeit zu erkennen geben, daß ſie den dargereichten Schatz verachten, ſowie die Säue köſtliche Perlen mit Füßen treten und Hunde Einen anfallen, wenn man ihnen etwas darreicht. Um Mancher willen, denen dieſe Sprache über dieſe Lehre noch etwas fremd ſein dürfte, wurde noch hinzugeſetzt: Wenn wir ſagen, die Vergebung geſchehe durch's Wort, welches Menſchen ſprechen, ſo meinen Viele, wir wären überhaupt Feinde von inneren Erfahrungen und bauten das ganze Chriſtenthum auf die äußerlichen Ceremonien des Gottes⸗ dienſtes. Freilich lehren wir: Gott will die Vergebung allen Menſchen ſchenken, hat's auch ſchon gethan durch die Auferweckung ſeines Sohnes; aber wir lehren auch zugleich: Wer das Evangelium recht hören ſoll, dem muß zuvor das Geſetz in ſeiner ganzen Schärfe und mit allen ſeinen Schauern und Schrecken gepredigt werden. Wer nicht durch's Geſetz zerſchlagen und zerſchmettert iſt, dem wird die Abſolution nichts helfen, und dieſelbe ihm ertheilen, hieße Waſſer in ein Gefäß gießen wollen, das voll iſt. Wenn wir behaupten, die Abſolution ſei da für jeden Sünder, ſo iſt damit nicht geſagt, daß nicht das von Natur felſen⸗ und demantharte Herz zerſchlagen und zerſchmettert ſein müßte, wenn die Abſolution Frucht bringen ſoll; wir ſagen aber dieſes: Wenn das Herz durch den Hammer des Geſetzes zerſchlagen und zerſchmettert iſt, dann iſt dem Sünder nichts zu verkündigen als: Du armer Sünder, kreuch zum Kreuz herzu, Chri⸗ ſtus hat deine Sünden gebüßt und getilgt, glaub's nur, ſie ſind dir alle vergeben; nicht aber ihm zuzurufen: Bete, ringe und kämpfe ſo lange, bis du fühlſt, daß du Vergebung der Sünde, Freude und Frieden haſt. Nur ſolchen zerſchlagenen Herzen kommt die Abſolution zugute, nicht weil ſie den andern nicht gehörte, ſondern weil es unmöglich iſt, den Glauben zu haben ohne vorhergegangene Wirkung des Geſetzes. — Hierbei wurde auch erinnert, daß der vorliegende Satz von außerordent⸗ licher Wichtigkeit ſei; denn er kennzeichne unſere theure luth. Kirche. Die Secten glauben nicht, daß die Macht, Sünde zu vergeben, den Men⸗ ſchen gegeben ſei; romaniſirende Partheien beſchränken dieſe Gewalt auf eine bevorzugte Menſchenclaſſe; unſere Kirche aber allein lehre, Gott habe dieſe Macht der ganzen Kirche gegeben, jeder Chriſt dürfe und ſolle dem