# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S48 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 48 — ergriffen. Was ich im Herzen durch Wirkung des heil. Geiſtes empfin⸗ de, das ſind Früchte der Vergebung; wenn ich die auch nicht bei mir finde, glaube aber dem Evangelio, ſo habe ich doch Vergebung der Sünden. Die Frage: Wenn ich das Vaterunſer bete und glaube, habe ich da auch Vergebung der Sünden durch Menſchen? — wurde dahin beantwortet: Ja, ganz gewiß! denn alles Wort Gottes, auch das Vater⸗ unſer, iſt uns durch Menſchen vermittelt. Hätten nicht die Apoſtel Befehl zu predigen empfangen, ſo hätten wir auch kein Wort Gottes. Der Gegenſatz gegen das: „Nur durch Menſchen,“ iſt nur dieſer, daß ich nicht durch heimliche Stimmen und außerordentliche innere Empfindungen der Ver⸗ gebung gewiß wolle werden. Darauf läßt ſich Gott nicht ein, ſondern ſpricht: Schlag die Bibel auf, lies, höre das Evangelium und glaube, — das iſt der Weg; wenn du den Weg gehſt und dem Worte glaubſt, wirſt du auch, ſo bald es mir gefällt, das Zeugniß des Geiſtes fühlen; denn dies iſt eine Frucht, die auf Glauben und Vergebung folgt. Die Urſache, warum Viele an der Lehre, daß durch Menſchen Sünden vergeben werden, ſich ſtoßen, iſt, weil ſie meinen, wir glauben, der Prediger habe durch die Ordination eine beſondere Beſchaffenheit empfangen, ſo daß, wenn er nur die Worte ſpricht, er durch eine geheime Kraft Vergebung mittheile und die Sünde gleichſam hinwegzaubere. Aber dieſe Meinung beruht auf grobem Mißverſtand; denn das iſt nicht die Lehre unſerer Kirche; dieſelbe lehrt vielmehr alſo: die Vergebung iſt da und auszurufen in aller Welt; das Wort der Gnade, der Kirche gegeben, iſt Gottes eigenes Wort; wo es erſchallt, da erſchallt Gottes Stimme; ſo gewiß in der Bibel ſteht: „Glaube an den Herrn Jeſum Chriſtum,“ und: „Welcher des Herrn Namen anrufen wird, ſoll ſelig werden,“ ſo gewiß redet Gott zu uns, wenn er uns dieſe Verheißungen verkündigen läßt; nicht in der Beſchaffenheit des Predigers, ſondern im Wort liegt die Macht, Sünde zu vergeben, nicht weil's der Prediger ſagt, ſondern weil's Gottes Wort iſt, wenn's auch ein Knabe ſagte, habe ich Vergebung der Sünden. In ſolcher Lehre iſt keine Spur eines elenden Predigerſtolzes zu finden. — Viele ſagen: Ja, die luth. Kirche iſt ſchön, das iſt nicht zu läugnen; jedoch ihre Lehre von der Abſolution iſt ein Anhängſel aus dem Papſtthum. Aber Gott behüte! die luth. Kirche verflucht die papiſtiſche Irrlehre von der Abſolution; ihre Abſolution iſt das ſüße Evangelium, ohne welches eine rechte Verſicherung der Gnade und Vergebung der Sünde gar nicht möglich iſt. — Wenn wir ſagen, wir empfangen Ver⸗ gebung nur durch Menſchen, ſo wollen wir daſſelbe, was Luther will, wenn er ſo oft ſpricht, wir empfangen ſie durch das leibliche und mündliche Wort. Es handelt ſich alſo darum, daß es das leibliche und mündliche Wort iſt, wodurch ich Vergebung der Sünden erlangen will; wenn's das iſt, ſo iſt es gleichviel, ob ich's leſe, oder mich in Gedanken deſſelben erinnere, oder es vom Prediger, oder auch von einem Kinde höre, — es ver⸗ kündigt und bringt mir immer Vergebung. — Wir gründen unſere Lehre u. a. auch auf das köſtliche Wort des letzten Sonn⸗ tagsevangeliums (Dom. XIX. p. Trin.): „Der ſolche Macht