# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S47 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 47 — vergeben, ſondern ſie iſt nichts anderes, als die Predigt des Evangeliums an den einzelnen Sünder. Da dieſer zweite Satz nothwendig aus dem erſten folgt, auch bei der Beſprechung dieſes ſchon mitbeſprochen wurde, ſo ward er ohne weitere Discuſſion angenommen. Dritter Satz: Die Verwalter und Austheiler der Abſolution im öffentlichen Amte ſind die Prediger des Evangelii; ſonſt aber alle Chriſten, weil die ganze Kirche die urſprüngliche Inhaberin der Schlüſſel iſt; der aber, welcher durch ihren Dienſt die Sünde vergiebt, iſt der dreieinige Gott. Zu dieſem Satze ward zuvörderſt bemerkt: daß Gott Sünde ver⸗ giebt, glauben alle Denominationen; daß er durch Menſchen Sünde vergiebt, glauben nächſt den Lutheranern keine, außer die Römi⸗ ſchen, dieſe aber ganz verkehrt; viele Lutheraner glauben wohl, daß Gott durch die Prediger Sünden vergebe, aber nicht durch die gemeinen Chriſten. Wir ſollten uns alle recht klar darüber werden, daß es ordentlicher Weiſe auf Erden keine Losſprechung von Sünden giebt, ohne durch Menſchen. — Ferner ward erinnert: die Erfahrung lehrt, daß ſelbſt diejenigen unter den ſogenannten Lutheranern, welche noch die Lehre haben, daß Prediger Sünden ver⸗ geben können, und daß Gott überhaupt durch Menſchen, und nur durch Menſchen die Sünde vergebe, häufig es dennoch nicht glauben. Gar Viele ſuchen die Vergebung darin, daß in eines Menſchen Herzen etwas vorgeht, auf Grund welcher Vorgänge der Menſch endlich die Stimme des heil. Geiſtes im Herzen höre: dir ſind deine Sünden vergeben, du biſt ein Kind Gottes! Solche Erfahrungen ſind aber nicht der Weg zur Vergebung der Sünden, ſondern umgekehrt auf dem Wege der Ver⸗ gebung macht man ſolche Erfahrungen. Woher kommt es, daß ein Menſch Vergebung der Sünden hat und derſelben gewiß iſt? — Dadurch, daß man auf ſolche Vorgänge, Erfahrungen und Empfindungen baut, baut man auf einen ſchlüpfrigen Grund, ſelbſt wenn dieſelben vom heil. Geiſt gewirkt ſind; denn man kann ſie heute haben, und morgen vielleicht nicht mehr. Wer die Gewißheit der Vergebung auf ſolche innere Vor⸗ gänge baut und kommt in Todesnoth, wo er vielleicht nichts mehr davon ſpürt, der fährt mit Ach und Weh dahin. Darum ſollen wir wiſſen, die Vergebung iſt immer da, Chriſtus hat ſie erworben und als Schatz ſeiner Kirche anvertraut, und da will er ſie auf keine andere Weiſe austheilen, als durch die Gnadenmittel. Wenn ich nun glaube, daß ſie auch für mich da iſt, weil ich weiß, ich bin getauft, ich glaube den Verheißungen des Evangeliums, ich bin zum heil. Abendmahl gegangen und tröſte mich der köſtlichen Verheißung: das iſt mein Leib, für dich gegeben, das iſt mein Blut, für dich vergoſſen zur Vergebung der Sünden, — wenn ich alſo ſtehe, ſo ſtehe ich recht. Alles andere, darauf man baut, iſt ein Grund neben dem rechten Grunde, wenn man dieſen überhaupt noch hat; wie Mancher aber mag den rechten Grund verlaſſen haben! Es bleibt ewig wahr, die Vergebung der Sünde iſt allein durch Chriſtum erworben, wird allein durch's Evangelium ausgetheilt und allein durch den Glauben