# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S46 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 46 — Stück des Evangeliums, als z. B. das Stück von der Todten Auferſte⸗ hung predige, ſo könne man doch wohl nicht ſagen, daß das Abſolution ſei. — Darauf antwortete man: Es iſt einerlei, ob ein Theil oder das ganze des Evangeliums geprediget werde, es iſt immer Abſolution. Wenn man ſo im Allgemeinen von der Auf⸗ erſtehung der Todten prediget, ſo prediget man kein Evangelium; denn ſolche Predigt wirket bei den Gottloſen Schrecken und Entſetzen; wenn man aber prediget, daß die Gläubigen auferſtehen, und zwar zum ewigen Leben auferſtehen, ſo iſt dies ein gar herrliches und tröſtliches Evange⸗ lium. Zur Begründung, daß auch im kleinſten Stücklein des Evange⸗ liums die Abſolution ſtecke, ward das Beiſpiel eines Angefochtenen an⸗ geführt, der durch den Spruch: „Gott hilft beide Menſchen und Vieh,“ auf einmal aus aller Angſt und Noth geriſſen und mächtig getröſtet wurde. Schließlich wurde nun über den erſten Satz noch Folgendes ausge⸗ ſprochen: Es darf nicht verwechſelt werden, was Chriſtus gethan hat, und was an Chriſto geſchehen iſt. Sein Leiden, Sterben und Aufer⸗ ſtehen war keine Abſolution, wohl aber ſeine Auferweckung von den Todten. Unſere Predigt und Abſolution iſt der moraliſchen Wirkung nach nichts anderes, als was Gott an Chriſto gethan hat; der Unterſchied beſteht nur darin, daß Gott durch die Auferweckung ſeines Sohnes die ganze Welt abſolvirt hat, wir aber nur Einzelne, Prediger z. B. nur ihre Gemeinden abſolviren. Chriſtus war unſer Stellvertreter; er ward für uns geſtraft, verdammt und verflucht, in ihm wir. Er ward an unſerer Statt endlich in den Schuldthurm des Todes geworfen, aber am dritten Tage ließ ihn Gott wieder heraus und machte ihn herrlich. So wenig ward Chriſtus am Kreuz für ſeine eigene Perſon geſtraft, ſo wenig er ſelbſt ein Sünder war; ſondern wir wurden in ihm geſtraft, in ihm ſind wir auch gerechtfertigt. Durch Chriſti Auferweckung ſprach Gott die ganze Welt gerecht. Wenn wir alle das wüßten, ſo wär's genug; da wir's aber nicht wiſſen, ſo bliebe der Schatz unbenutzt, wenn wir's nicht erführen. Da ſpricht nun Gott: Was ich gethan, ſoll verkündigt wer⸗ den. So gewiß die Auferweckung Chriſti eine wahre Abſolution iſt, ſo gewiß iſt auch meine Abſolution keine bloße Erzählung, ſondern eine wirkliche Mittheilung der Vergebung. Die Abſolution iſt ein Act Got⸗ tes, welcher gilt bis an's Ende der Welt. Unſere Abſolution iſt nichts anderes als eine Wiederholung des Actes Gottes in der Auferweckung Chriſti. Die Reformirten dagegen ſehen das Evangelium für weiter nichts an, als eine Erzählung von der Erlöſung, welche die moraliſche Kraft habe, einen Menſchen in eine andere Geſinnung und durch die an⸗ dere Geſinnung in einen ſolchen Zuſtand zu verſetzen, in welchem er Gott gefällt. Zu unſerer Seligkeit mußte zweierlei geſchehen, 1., die Ver⸗ gebung der Sünde mußte erworben werden, das hat Chriſtus gethan; 2., in Folge der Vollkommenheit und Vollgültigkeit des Verdienſtes Chriſti mußte der dreieinige Gott vergeben, das hat Gott gethan und thut's noch fort und fort bis an den jüngſten Tag, aber nicht mehr ſo, wie bei der einmaligen Auferweckung ſeines Sohnes, ſondern durch die Verkündigung des Evangeliums. Zweiter Satz: Die Privatabſolution iſt demnach nicht eine außer oder neben dem Evangelio beſtehende Macht, Sünden zu