# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S45 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 45 — geben werden; nein, die Gnadengüter ſind ganz andern Charakters, ſie werden fortwährend gegeben und empfangen. So lange wir im Glauben wandeln, findet immer ein Geben und Nehmen derſelben ſtatt. Der Glaube iſt ja nichts anderes, als ein Nehmen; daraus folgt, daß die Gnadengüter immer gegeben werden, Gott giebt ſie dem Glauben fort und fort. Es iſt wahr, in der Taufe habe ich die Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit empfangen, darum habe ich ſie; indeſſen wenn Gott nicht fort und fort gäbe, hätten wir nichts; meine Abſolution beſteht darin, daß ich gebe, d. h. Gott giebt durch mich. Ich kann nicht ſagen: Ich habe, darum kann ich bloß erinnert werden an das, was ich habe; nein, mir muß fort und fort gegeben werden. Gott giebt mir aber dadurch, daß er mir ſein Wort vorhalten läßt, der Glaube ergreift das Wort und empfängt daher, was das Wort in ſich ſchließt. Wenn ich ſage: Was ich habe, das habe ich im Glauben an das Wort, ſo folgt daraus nicht: Alſo kann die Abſolution nichts, als eine bloße Erinne⸗ rung ſein; ſondern es folgt nur dies: Die Abſolution giebt mir nichts weiter, als was ich ſchon habe. Das Wort giebt immer, der Glaube nimmt immer. Die Löſung des Bedenkens iſt: Der Glaube iſt ein fortwährendes Nehmen der Schätze im Wort; darum muß das Wort immer gepredigt werden, und es kann den Menſchen nicht genug gepre⸗ diget werden, ſie können nicht genug abſolvirt werden, nicht genug das heil. Abendmahl empfangen. Wir leben hier im Glauben, der muß immer nehmen; im Schauen dereinſt wird's anders ſein. Zum Verſtändniß deſſen dient auch, was Luc. 7. von der großen Sünderin geſchrieben ſteht; der Herr Chriſtus bezeugt und erinnert nicht nur: „Ihr ſind viele Sün⸗ den vergeben,“ ſondern ſpricht ihr auch noch einmal beſonders die Ab⸗ ſolution. Auf die Frage, warum man, da die Welt bereits vor 1800 Jahren abſolvirt ſei, dennoch nicht ſage, der Welt ſeien die Sünden vergeben? erfolgte die Antwort: Wenn man ſo ſchlechthin und ohne Erklärung ſagte: Der Welt ſind die Sünden vergeben, ſo würde das mißverſtänd⸗ lich ſein; Viele würden es nämlich ſo verſtehen, daß alle Menſchen be⸗ kehrt wären, glaubten und in den Himmel kämen. Wenn man indeſſen ſpricht: Von Seiten Gottes ſind der Welt die Sünden vergeben, ſo iſt's recht geredet. Was hilft mirs aber, wenn mir Gott ſagt: Ich bin dein Freund, und ich denke, er iſt mein Feind? Gott iſt wohl mit uns verſöhnt, aber wir nicht mit ihm, daher der Apoſtel ſagt: „Laſſet euch verſöhnen mit Gott.“ Gott muß uns die Hand der Verſöhnung reichen, wenn wir ſollen mit ihm verſöhnet werden; die hat er gereicht, er iſt mit der Welt verſöhnt, aber wir glauben ihm nur nicht und fürchten uns da⸗ her vor ihm; darum ſagt er durch das Evangelium: Du brauchſt dich nicht zu fürchten, ich bin dir verſöhnt, glaube nur, ſo ſind dir alle deine Sünden vergeben. Man denkt gewöhnlich, das Wort ſei allein ein Mit⸗ tel, dadurch eine ſolche Veränderung im Herzen bewirkt werde, daß ein Glaube entſtehe, der da lebendig ſei, und dieſen Glauben hält man für ſo ein herrliches Werk, um welches willen Gott den Sünder begnadige, bedenkt aber nicht, daß der Glaube an ſich eine leere Hand iſt, die ſich nur füllen läßt. Ein Synodale bemerkte: Evangelium und Losſprechung von Sün⸗ den ſei eins und daſſelbe, das ſei ihm klar; aber wenn man nur ein