# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S43 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 43 — muß man da nicht auch behaupten, die Predigt des Evangeliums ſei nur eine Ankündigung der Abſolution? Darauf ward geantwortet: Man ſpricht nicht: Wir werden noch einmal erlöſt und verſöhnt, ſondern was einmal geſchehen iſt, wird uns zugeeignet. Wenn der Apoſtel ſagt: „Iſt Einer für Alle geſtorben, ſo ſind ſie alle geſtorben,“ ſo iſt das gleich dem: Iſt Einer zum Leben auf⸗ erweckt, ſo ſind ſie alle zum Leben auferweckt. So gewiß Chriſtus ge⸗ ſtorben, und zwar für alle Menſchen geſtorben iſt, ſo gewiß ſieht Gott alle Menſchen als um ihrer Sünde willen geſtorben an. Chriſti Tod hat als der Tod für alle Menſchen die Sünde getilgt. Iſt dagegen Chriſtus auch an aller Menſchen Statt auferweckt, ſo ſind in Chriſto alle Menſchen für gerecht erklärt; denn Chriſtus bedurfte als der Gerechte für ſeine Per⸗ ſon nicht durch die Auferweckung gerechtfertigt zu werden, ſondern dies iſt geſchehen um unſertwillen, an deren Statt er geſtorben und auferſtanden iſt, und alſo ſind in Chriſto Alle gerechtfertiget. Die Verſöhnung und die Rechtfertigung iſt bereits geſchehen in Gottes Gericht, aber wir haben ſie noch nicht. Da hat Gott nun das Wort erwählt, ſie uns zu geben. Nicht durch eigene Werke ſollen wir ſie verdienen, ſondern der Glaube ſoll ſie ergreifen. Soll das aber der Glaube thun, ſo iſt das Wort nöthig, weil ohne Wort kein Glaube möglich iſt. Das Wort und natürlich auch die Sacramente ſind daher das Mittel, dadurch uns der Schatz mitgetheilt wird. Wenn unter einer bloßen Ankündigung der Vergebung dies ver⸗ ſtanden wird, daß man lediglich davon erzählt, ſo muß auf die Frage: Ob die Predigt des Evangelii nur eine Ankündigung der Abſolution ſei, mit Nein geantwortet werden; ſie iſt aber eine ſolche Ankündigung, die zugleich das giebt, was ſie verkündigt. Ein Beiſpiel kann das deutlich machen. Wenn ein reicher Mann ein großes Geſchenk für Jemand be⸗ ſtimmt hätte, und Jemand erzählte mir davon, ſo würde mir dies nichts nützen; aber wenn ich als ein zum Tode Verurtheilter im Gefängniß läge und der König, der mich begnadigt hätte, ſendete ſeinen Diener zu mir mit der Ankündigung des Pardons, ſo wäre ich wirklich pardonirt. So hat auch Gott uns in Chriſto begnadigt und läßt mir den Pardon im Evangelio verkündigen. Jede Creatur hat das Recht, mir zu ſagen: Du biſt erlöſt und mit Gott verſöhnt, deine Sünde iſt dir vergeben: daher auch Chriſtus ſagt: „Prediget das Evangelium aller Creatur.“ Gewal⸗ tiger hätte der Herr nicht reden können. Wo nur die Schöpfung hin⸗ reicht, da ſoll dieſe ſelige Botſchaft ausgerufen werden: der Menſch iſt erlöſt und mit Gott verſöhnt; wer glaubt, der hat, was die Botſchaft ſagt, nämlich Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit. Zur wei⸗ teren Erläuterung diente auch noch dieſes Beiſpiel: Wenn das Gericht ſeinen Gefangenen freigeſprochen hat, iſt er frei in der Gerichtsſtube, aber ſo lange er es noch nicht weiß, iſt und bleibt er ein Gefangener. Wenn nun das Gericht einen Boten zu ihm ſendet mit der Botſchaft: du biſt frei, ſo iſt dieſe Botſchaft keine bloße Erzählung und leere Ver⸗ kündigung, ſondern eine wirkliche Mittheilung der Freiheit. Alſo iſt auch das Evangelium nicht eine leere Verkündigung von der durch Chri⸗ ſtum geſchehenen Erlöſung und erworbenen Vergebung, ſondern eine ſolche Verkündigung, welche die Vergebung wirklich mittheilt und zueignet. Zu der hier folgenden Bemerkung, daß die Vergebung, die auf Gottes Seite geſchehen, durch das Evangelium mitgetheilt und alſo, wie