# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 42 — das geiſtliche Gehör, den Glauben, und theilt alſo den Schatz der Ver⸗ gebung, welchen es in ſich trägt, mit. Hieran ſchloß ſich nun folgende in der Synode auftauchende Frage: Es wird von uns immer der Satz ausgeſprochen und bekannt: Durch die Auferweckung Chriſti von den Todten hat Gott die ganze Welt abſolvirt, d. h. von Sünden los gemacht; wenn hiernach die Welt bereits längſt abſolvirt und von Sünden losgemacht iſt, was iſt denn die Abſolution oder Predigt des Evangeliums in der Kirche? Iſt ſie auch ein Los machen, oder bloß eine Verkündigung der ſchon geſchehenen Losmachung? Antwort: Die Abſolution der ganzen Welt iſt in Gottes Herzen geſchehen in dem Augenblicke, da durch den Herrn Chriſtum die Erlöſung vollbracht war, und weil vor Gott ſchon von Ewigkeit die Erlöſung als vollbracht ſtand, ſo kann man ſagen: In Gottes Herzen war die Abſolution der Welt ſchon von Ewigkeit. Aber wir haben ſie noch nicht. Was ſoll nun geſchehen, damit wir ſie erlangen? Gott hat die Erlangung der Abſolution an nichts geknüpft, das wir zu thun hätten, uns dieſelbe zu verdienen, ſondern aus freier Gnade will er ſie uns geben und ſchenken. Da iſt nun kein anderes Mittel, das Geſchenk anzunehmen, als der Glaube an Jeſum Chriſtum. Damit die Abſolution aber von uns ange⸗ nommen werde, muß Gott ſie uns bringen, und eben durch das Evange⸗ lium geſchieht das Bringen deſſen, was in Gottes Herzen iſt. Die Pre⸗ digt des Evangeliums bringt uns alſo die Abſolution, die in Gottes Herzen iſt, damit der Glaube ſie annehme; dies liegt in den Worten des Apoſtels: „Wie ſollen ſie glauben, von dem ſie nichts gehöret haben?“ — Wo die Predigt des Evangeliums verkündigt wird, da tritt der liebe Gott ſelber vor den Sünder hin und ſpricht: Ich bin verſöhnt und verkündige dir hiermit, daß dir alle deine Sünden vergeben ſind. Wie nun das keine leere Verkündigung, ſondern eine wahrhaftige Mittheilung der Vergebung wäre, wenn Gott unmittelbar ſo zu dem Sünder ſpräche, ſo iſt auch die Predigt und Abſolution der Prediger zwar nichts anderes, als eine Verkündigung der Vergebung, aber eine ſolche Verkündigung, die die Vergebung wirklich bringt und giebt. Am beſten können wir uns die Sache durch ein Bild deutlich machen. Wir Menſchen alle liegen von Natur in einem gräulichen Gefängniß gefangen; Chriſtus hat die Pforten dieſes Gefängniſſes geſprengt; wir wiſſen, ſehen und fühlen es zwar nicht, ſie ſind aber geſprengt. Und wenn wir es auch ſähen, hätten wir dennoch das Herz nicht, herauszugehen, weil wir befürchten müßten, daß wir draußen auf der Stelle würden ergriffen und wieder hineinge⸗ worfen werden. Das Evangelium iſt aber die ſelige Botſchaft Gottes an uns: Gehet heraus, ihr ſeid erlöſt, ihr ſeid begnadigt, ihr ſeid frei! Das Evangelium iſt alſo nicht eine Verkündigung, daß wir erſt erlöſt und begnadigt ſollen werden, ſondern daß wir bereits erlöſt und begna⸗ digt ſind, und die Abſolution im Evangelio iſt nichts anderes, als eine Wiederholung der thatſächlichen Abſolution, die bereits geſchehen iſt durch die Auferweckung Jeſu Chriſti von den Todten. Hierbei wurde wiederum gefragt: Wenn durch die Auferweckung Chriſti die Welt abſolvirt iſt, wird ſie dann noch einmal abſolvirt durch das Evangelium? Wenn man ſagen muß, die Welt ſei ſchon abſolvirt,