# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S41 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 41 — Auf die jetzt geſtellte Forderung, daß bei der Definition der Predigt des Evangeliums als Abſolution zugleich die Nothwendigkeit des Glau⸗ bens an das Evangelium hervorgehoben werden ſollte, geſchah folgende Erwiederung: Es kommt hier vorerſt alles darauf an, zu erkennen, daß der große Schatz des Evangeliums, die durch Chriſtum für alle Menſchen geſchehene Erlöſung und die dadurch erworbene Sündenvergebung auch allen Menſchen dargebracht wird, nach dem Befehl Chriſti: „Prediget das Evangelium aller Creatur.“ Allen, die es hören, ob ſie glauben oder nicht glauben, wird die Vergebung der Sünden verkündiget und dar⸗ gereicht. Der Prediger ſpricht, wenn er das Evangelium verkündiget, immer die Abſolution, und zwar auch denen, die nicht glauben; denn die Abſolution iſt ein göttlicher Act und nicht vom Glauben oder Unglau⸗ ben der Menſchen abhängig. Der Ungläubige ſtößt denn freilich die auch ihm durch die Predigt des Evangeliums geſchehene Abſolution von ſich und geht ihrer eben darum verluſtig. Dagegen wurde eingewendet: Nach Gottes Wort könne und dürfe man ja doch den ungläubigen Sündern die Sünde nicht vergeben, ſondern ſolle und müſſe ſie ihnen vielmehr behalten; da nun den Ungläubigen in der Predigt die Vergebung der Sünde nicht zu Theil werde, wie könne denn die Predigt des Evangeliums immer Abſolution ſein? — Antwort: Die Thatſache der Erlöſung und Verſöhnung des ganzen menſchlichen Geſchlechts durch Jeſum Chriſtum und damit die Vergebung aller Sün⸗ den aller Menſchen von Seiten Gottes, die ja eben das Evangelium verkündiget, anbietet und giebt, kann durch den Unglauben der Menſchen nimmermehr zur Unwahrheit werden, wenn ſie auch der Ungläubige nicht annimmt, ſondern von ſich ſtößt und darum, ja eben darum allein ver⸗ loren geht. Wie daher Abſolution oder Losſprechung von Sünden nichts anderes ſein kann, als die Predigt des Evangeliums, geſchehe ſie öffent⸗ lich oder ſonderlich, ſo iſt auch jede Predigt des Evangeliums, geſchehe ſie durch Wort oder Sacrament, immer eine Abſolution von allen Sünden. Da aus dieſen wiederholt ausgeſprochenen Bedenken hervorging, daß über den erſten Satz noch nicht die erwünſchte Klarheit und Einig⸗ keit vorhanden, ſo ſah ſich die Synode veranlaßt, noch weiter und gründ⸗ licher über denſelben zu verhandeln. Man ſprach ſich zuvörderſt dahin aus: daß noch keine rechte Einigkeit unter uns da iſt, ſcheint daran zu liegen, daß Manche ſich das Evangelium als Gnaden⸗Mittel getrennt denken vom Gnaden⸗Schatze, nämlich etwa ſo, wie wenn ein König durch eine Botſchaft auffordern ließe, an einen gewiſſen Ort zu kommen, wo ein Schatz ausgetheilt werden ſolle, da denn der Schatz nicht bei der Botſchaft ſei, ſondern anderwärts geſucht und geholt werden müſſe; wäh⸗ rend es doch alſo iſt, daß das Evangelium den Gnadenſchatz der Verge⸗ bung der Sünde in ſich ſchließt und die Verkündigung deſſelben dieſen Schatz darreicht und mittheilt. Die Darreichung hängt nicht davon ab, ob die Leute glauben oder nicht glauben, nein, der Schatz iſt immer da beim Wort und wird allen, die es hören, dargereicht. Die Sonne ſcheint, ob auch alle die Augen zuthun und ihr Licht nicht ſehen. Zur Erläute⸗ rung kann man das Beiſpiel der Auferweckung des Jünglings zu Nain hieherziehen. Das Wort Chriſti: „Jüngling, ich ſage dir, ſtehe auf!“ war kein leerer Schall, keine leere Verkündigung, ſondern erweckte bei dem todten Jüngling Gehör und Leben. So erweckt das Evangelium