# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S38 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 38 — die Predigt und den Katechismus zu üben, ſie vor unwürdi⸗ gem Gebrauch des Sacraments zu verwahren, allerlei Rath in ſchweren Gewiſſensfällen zu ertheilen; endlich iſt ſie eine Uebung in der Selbſtdemüthigung. Summa: ſie iſt eine Uebung des Geſetzes und Evangelii. Brief an die Frankfurter: „Denn ſolch Beichten nicht allein darum geſchieht, daß ſie Sünde erzählen, ſondern daß man ſie verhöre, ob ſie das Vaterunſer, Glauben, zehn Gebote und was der Katechismus giebt, können. Denn wir wohl erfahren haben, wie der Pöbel und die Jugend aus der Predigt wenig lernet, wenn ſie nicht inſonderheit gefragt und verhöret wird.“ In den Predigten wider die Bilderſtürmer: „Es ſind viel zweifelhafte, irrige Sachen, darein ſich der Menſch allein nicht wohl ſchicken kann, auch nicht begreifen. Wenn er nun in einem ſolchen Zwei⸗ fel ſteht, und weiß nicht, wo hinaus, ſo nimmt er ſeinen Bruder auf einen Ort und hält ihm vor ſeine anliegende Noth, klagt ihm ſeine Ge⸗ brechen, ſeinen Unglauben und ſeine Sünde und bittet ihn um Troſt und Rath.“ In den Viſitationsartikeln: „Man ſoll auch Niemand zum Sacrament gehen laſſen, er ſei denn von ſeinem Pfarrherrn verhöret, ob er zum Sacrament zu gehen geſchickt ſei. Denn St. Paulus ſagt 1 Cor. 11, daß der ſchuldig ſei an dem Leib und Blute des Herrn, der es unwürdig nehme. Nun unehren das Sacrament nicht allein, die es unwürdig nehmen, ſondern auch, die es Unwürdigen geben. Denn der gemeine Pöbel läuft um Gewohnheit willen zum Sacrament und weiß nicht, warum er es brauchen ſoll. Wer nun ſolches nicht weiß, ſoll nicht zum Sacrament zugelaſſen werden.“ Von der Beichte an Sickingen: „Daß wir aber williglich und gerne beichten, ſoll uns fürs erſte reizen das heilige Kreuz, d. i. die Schande und Scham, daß der Menſch ſich williglich entblößet vor einem andern Menſchen und ſich ſelbſt anklaget und verhöhnet. Das iſt ein köſtlich Stück vom heiligen Kreuz. O wenn wir wüßten, was Strafe ſolche willige Scham vorkäme und wie einen gnädigen Gott ſie macht, daß der Menſch ihm zu Ehren ſich ſelbſt ſo vernichtet und demüthiget, wir würden die Beichte aus der Erde graben und über tauſend Meilen holen.“ 8. Die Beichte iſt nicht von Gott geboten, dennoch höchſt nützlich. Darum iſt ſie nicht als ein nöthiges Stück zu erzwingen, aber wo ſie iſt, iſt ſie zu erhalten, wo ſie verfallen iſt, durch Empfehlung und Anpreiſung ihres Nutzen wiederherzuſtellen. Kirchenpoſtille XIV. p. Trin.: „Die Papiſten mögen nicht be⸗ weiſen aus dem Neuen Teſtament, daß man Sünde beichten ſolle.“ II. Die Lehre von der Abſolution und die Lehre von der Rechtfertigung ſtehen in einem genauen Wechſelverhältniß. Dies erhellet A. daraus, daß die Lehre von der Rechtfertigung das Fundament iſt, auf welches die Lehre von der Abſolution ſich gründet, und der Brun⸗