# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 35 — allenthalben öffentlich und insgemein jedermann verkündigt wird, daſſelbe wird in der Abſolution einem oder mehreren, die es begehren, inſonder⸗ heit geſagt.“ 3. Die Verwalter und Austheiler der Abſolution im öffentlichen Amte ſind die Prediger des Evangelii; ſonſt aber alle Chri⸗ ſten, weil die ganze Kirche die urſprüngliche Inhaberin der Schlüſſel iſt; der aber, welcher durch ihren Dienſt die Sünde vergiebt, iſt der dreieinige Gott. Kirchenpoſtille Quasimodog.: „Nun iſt Pfarrherr oder Pre⸗ diger, als dein Seelſorger, oder auch ein jeglicher Chriſt in ſolchem Falle gefordert und geſandt, daß er dich tröſten ſoll. Darum obwohl die Gewalt, Sünden zu vergeben, allein Gottes iſt, ſollen wir doch auch wiſſen, daß er ſolche Gewalt übet und austheilet durch dies äußerliche Amt, zu welchem Chriſtus ſeine Apoſtel ſendet und ihnen befiehlet, daß ſie ſollen in ſeinem Namen Vergebung der Sünden verkündigen allen denen, die ihr begehren.“ Ebendaſelbſt: „Wer angefochten iſt, der gehe hin oder laſſe zu ihm fordern ſeinen Seelſorger oder ſonſt einen guten Freund, klage ihm ſeine Noth und begehre Rath und Troſt von ihm. Und gründe ſich dar⸗ auf, daß Chriſtus hie ſpricht: Welchen ihr die Sünden erlaſſet u. ſ. w.“ Hauspoſtille am Tage Petri und Pauli: „Die Kirche, d. i. alle Chriſten haben ſolche Macht und Befehl, daß ſie keinen Sünder in Sünden verzagen laſſen, ſondern ihn tröſten und im Namen Jeſu Ver⸗ gebung der Sünden ſollen zuſagen.“ Anmerkung: In andern Stellen beſchränkt Luther die Laienabſo⸗ lution auf den Nothfall. So ſpricht er u. a.: „Dermaßen lügeſt du auch, daß ich alle Laien zu Biſchöfen, Prieſtern, Geiſtlichen alſo gemacht habe, daß ſie ſobald unberufen das Amt auch thun mögen, ſchweigeſt, als fromm du biſt, daß ich daneben ſchreibe, Niemand ſoll ſich ſelbſt das Unberufene unterwinden, es wäre denn die äußerſte Noth.“ (Auf das überchriſt⸗ liche ꝛc. Buch Emſers.) — Hauspoſtille XIX. p. Trin.: „Andere Chriſten, ob ſie gleich das Amt nicht haben, dennoch im Falle der Noth haben ſie auch Befehl, dich zu tröſten, wenn du um deiner Sünden willen verzagt biſt. — — Solcher Worte ſollſt du dich denn ſo gewiß tröſten, als ſpräche ſie Chriſtus ſelbſt perſönlich vom Himmel.“ Den ſcheinbaren Widerſpruch wird folgende Stelle löſen aus Kirchenpoſt. Quasimo⸗ dogeniti: „Wir haben wohl alle Gewalt, Beichte zu hören; aber Niemand ſoll ſich vermeſſen, dieſelbe öffentlich zu üben, denn der dazu von der Ge⸗ meinde erwählet iſt. Heimlich aber mag ich ſie wohl brauchen, als wenn mein Nächſter kommt und zu mir ſpricht: Lieber, ich bin beſchweret in meinem Gewiſſen, ſage mir eine Abſolution, ſo mag ich das frei thun. Aber heimlich, ſage ich, muß es geſchehen.“ 4. Die Abſolution beſteht nicht a., in einem richterlichen Urtheil des Beichtigers, b., nicht in einer leeren Verkündigung oder Anwünſchung der Vergebung der Sünden, ſondern c., in einer kräftigen Mittheilung derſelben. Zu a., Apologie: „Die Abſolution iſt ſchlecht der Befehl, los⸗ zuſprechen, und iſt nicht ein neu Gericht, Sünden zu erforſchen; denn