# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 20 — Gott losgeriſſene, verzweifelnde, von Sünde, Tod und Teufel in die Hölle getriebene Menſchheit hineintreten ſollen, und laut und öffentlich verkündigen, daß Gott durch das Blut ſeines Sohnes verſöhnet iſt, und nun nichts als eitel Liebes und Gutes gegen ſie im Sinne hat, und ihr Vergebung aller ihrer Sünde, Kindſchaft, Seligkeit und himmliſche ewige Herrlichkeit frei und umſonſt um Chriſti willen anbietet, ſie ſoll es nur glauben. Wir ſollen an Gottes und Chriſti Statt ſie bitten und ermah⸗ nen, daß ſie ſich doch auch nun verſöhnen laſſe, und ihre ſchändliche Feindſchaft und Mißtrauen fahren laſſe! Wir ſollen es ihr mit ſolcher Glaubensgewißheit, mit ſolcher Freudigkeit aus dem Wort bezeugen, freilich nicht in unſerer, ſondern des heil. Geiſtes Kraft, deſſen Mund⸗ boten wir ſind, daß ſie einen guten Muth faſſe, glauben lerne, zu Chriſto komme und in dieſem Glauben auch Friede und Ruhe finde für ihre Seele. Und in dieſem Glauben ſollen wir durch das fortgeſetzte Zeugniß aus Gottes ſeligmachendem Evangelium ſie ſtärken, gründen, vollbereiten, daß ſie ein feſtes Herz kriegen und behalten, Sünde, Tod, Teufel über⸗ winden und endlich des Glaubens Ende, der Seelen Seligkeit davontra⸗ gen. Das, das iſt unſer eigentliches Amt in unſern Gemeinden. Und wenn wir des Geſetzes Amt führen, wie wir es dann ja führen müſſen, ſo ſollen wir doch bedenken, daß es ein fremdes Amt iſt, welches wir nur vorübergehend treiben, um unſer eigentliches Amt ausrichten zu können. Aber in dieſem ſollen wir leben; das ſollen wir mit eigentlicher Luſt unſers ganzen neuen Menſchen treiben, und auch dann noch, ja dann um ſo eifriger, wenn wir ſehen und beklagen müſſen, daß ſo Wenige dem Evangelio gehorſam ſind. Wir ſollen unſers Amts warten und Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Chriſto ausſchreien. Denn ſeines Ruh⸗ mes darf hier auf Erden nicht geſchwiegen werden, ſo lange ſie ſteht; ob auch alle Welt des nicht achte. Der gnädige und barmherzige Gott wolle doch ſonderlich in dieſer elenden Zeit uns ſo mit ſeiner Gnade füllen, daß ſelbſt unter Drohungen und Verfolgungen, ja im Angeſicht des Todes wir fröhlich ausrufen: „Wir können es ja nicht laſſen, daß wir nicht reden ſollten, was wir ge⸗ ſehen und gehöret haben.“ Iſt es uns nun ein Ernſt, wie es denn ja ſicherlich iſt, und erkennen wir, wie billig, unſre Untüchtigkeit, ſo laßt uns doch unter Anrufung unſers Herrn, von dem lernen, der von dem Rath⸗ ſchluß Gottes zu unſerer Seligkeit ſo zeugte und predigte, als einer der mit dabei geweſen und zwar darum, weil, nachdem er ſelbſt Barmherzig⸗ keit überkommen hatte, er von ſich ſagen konnte: „In meinem Herzen herrſcht allein und ſoll auch herrſchen dieſer Artikel, nämlich der Glaube an meinen lieben Herrn Chriſtum, welcher aller meiner geiſtlichen und göttlichen Gedanken, ſo ich immerdar Tag und Nacht haben mag, der einige Anfang, Mittel und Ende iſt.“ Trifft nun dieſe Mahnung ſonderlich uns Prediger, ſo ſind doch die Zuhörer nicht davon ausgeſchloſſen. Denn wir Chriſten insgeſammt ſind ja das auserwählte Geſchlecht, das königliche Prieſterthum, das heilige Volk, das Volk des Eigenthums, das wir verkündigen ſollen die Tugenden deß, der uns berufen hat von der Finſterniß zu ſeinem wunderbaren Licht. In der Familie, der Werkſtelle und wo wir in unſern bürgerlichen Ver⸗ hältniſſen uns finden mögen, giebts Gelegenheit genug, dieſem ſeligen Beruf nachzukommen. Der Herr mache einen jeden treu in ſeinem Be⸗