# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 19 — vergifteten Gewäſſer nicht erreichen, die ohne Aufhören dem Pfuhl mo⸗ derngläubiger Wiſſenſchaft entquillt, dagegen uns zu der immer friſchen Brunnſtube der Reformation zurückgeführt hat! Laſſet uns nun als gna⸗ denhungrige und gelehrige Schüler zu den Füßen unſerer Väter uns ſetzen, und namentlich deſſen, der dieſen Artikel getrieben, wie Keiner nach den Apoſteln. Und wenn wir lauſchen, wie ſein Mund überfließt von allerlei göttlicher Weisheit, ſo laſſet uns ſonderlich darauf Acht geben, und das von ihm lernen, wie alles dahin bei ihm gerichtet iſt, und wie er's angreift, das Herz eines armen Sünders durch den göttlichen Troſt des Evangeliums in der Kraft des heiligen Geiſtes feſt und gewiß zu machen, daß es in Chriſto Jeſu unſerm einigen Heilande einen gnädi⸗ gen Gott, und verſöhnten Vater im Himmel, und vor ihm eine ewge vollgültige Gerechtigkeit habe durch den Glauben. Denn daran liegt's Alles, und allein. Und ſollte der Teufel gern andere verleiten, zu wähnen, er habe nun dieſe Kunſt ausgelernt, und könne wohl zu etwas anderm übergehen, der laſſe ſich durch den Ausſpruch Luthers weiſen: „Welche ſich aber dünken laſſen, ſie wiſſen und verſtehen dieſen Artikel nun ſehr wohl, die haben gewißlich ihn noch nie recht angefangen zu ler⸗ nen.“ — Ein geängſtet Herz und ein gedemüthigter Geiſt ſind aber die einzigen Werkſtätten für dieſe Arbeit des heil. Geiſtes, der ein Tröſter iſt und heißt, da er Chriſtum verklärt. Wollen wir den Schatz, welchen Gott uns anvertraut, recht gebrauchen, ſo müſſen wir mit dem rechten fleißigen Lernen auch das rechte Lehren verbinden, damit der große Schatz auch unter die Leute komme, wozu er beſtimmt iſt. Ich kann mich über dieſen Punkt kürzer faſſen, da wir noch ein beſonderes Referat dar⸗ über in der Predigerconferenz zu erwarten haben. Nur dieſes: Laßt es uns nicht vergeſſen, meine geliebten Amtsbrüder, daß die Predigt es iſt, durch welche die Welt aus des Teufels Tyrannei in das Reich Gottes ſoll berufen, und darinnen erhalten werden; und zwar die Predigt des Evangeliums. So führen wir auch das Amt des Neuen Teſtaments, nicht des Buchſtabens, ſondern des Geiſtes. Denn der Buchſtabe tödtet, der Geiſt macht lebendig. Wir finden nun bei uns oft die Furcht, und machen uns Vorwürfe, daß wir nicht „ſcharf“ genug gepredigt; und wir haben Ur⸗ ſache dazu. Denn der Herr wird allen ſtummen Hunden, die dem Volke nicht mit Ernſt ſeine Uebertretungen vorhalten, ihren Lohn in der Hölle auf ihren Kopf bezahlen. Darüber ſcheint man ſich aber weniger Sorge zu machen, daß man nicht evangeliſch genug predigt, denn ſonſt würden ja die wunderlichen Leute namentlich in unſerm alten Vaterlande heuer nicht ſo ſehr bei der Hand ſein, ihre magern Predigten noch drucken zu laſſen, in welchen entweder Geſetz und Evangelium aufs gröbſte in ein⸗ ander gebraut, oder doch das Evangelium ſo dünne und ſparſam mit eingeflochten iſt, daß ſich in einem ganzen Bande nicht ſo viel Nahrung findet, als zur Abſpeiſung eines mäßigen Hungers hinreichend ſein möchte. Und dennoch meine lieben Brüder, — und das laßt uns wohl bedenken, mit welchem Feuereifer des Zorns wird der Herr über die läſſigen trägen Boten des Evangeliums entbrennen, den der Feuereifer ſeiner Liebe für die Errettung ſeines Volkes auf dem Altar des Kreuzes verzehret hat! Wir ſind ja dazu geſetzt, daß wir mit der himmliſchen, fröhlichen und ſeligen Botſchaft der Gnade und des Friedens mitten in eine von