# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 16 — nicht wenig, ſondern der unermeßliche und unſchätzbare Reichthum des göttlichen Wortes in richtiger Erkenntniß — es iſt nicht von uns erworben oder auch nur einigermaßen verdient, ſondern aus freier Gnade geſchenkt. Wenn wir nun rühmen dürfen, ſeine Gnade an uns iſt nicht vergeb⸗ lich geweſen; ſo laßt uns zugleich wohl bedenken, daß dieſelbe freie Gnade, die uns aus unſern Irrſalen gezogen und ſo reich gemacht hat, auch für die da iſt, die heute noch in demſelben Elend ſtecken, aus dem uns die Gnade Gottes gerettet hat, und daß das ein ſehr ernſtes wohl zu beherzigendes Wort des Herrn iſt: Die erſten werden die letzten, die letzten die erſten ſein; Gott widerſteht dem Hoffährtigen, dem Demüthigen gibt er Gnade. Und ich denke, ſowohl das, was wir von Gottes Erbarmen an uns zu rühmen, als das, was wir trotz ſeiner Gnade an uns zu be⸗ klagen haben, beides wäre Grund und Urſache genug, uns in der rechten Demuth zu erhalten. Fürs zweite ſollen wir uns wohl dafür hüten, daß wir uns nicht dabei beruhigen und ſicher werden, daß wir ja nun die reine Lehre haben und von unſrer Synode das Panier des rechten lutheriſchen Bekenntniſſes aufgepflanzt ſei, als wäre es damit gut. Nicht jeder, der viel von der reinen Lehre rühmt und zu ſagen weiß, hat ſie damit auch, und mancher, der ſie der Theorie nach hat, weiß ſie damit noch nicht für ſich und andere in der Praxis anzuwenden. Es iſt nicht genug, daß wir die Lehre in un⸗ ſern Symbolen haben und wir uns zu den Symbolen bekennen, für die⸗ ſelben ſtreiten u. ſ. w., ſondern ſie muß auch rechtſchaffen auf die Kanzel und von da ins Herz und Leben. Selig, ja ſelig ſollen wir dadurch wer⸗ den und andere machen. Gott wolle doch in Gnaden uns alle, wir mögen nun zur Lehrer⸗ oder Hörerſchaft gehören, bewahren, daß wir den Ruhm der reinen Lehre nicht zum Schlummerkiſſen machen, auf welchem wir uns ſelbſtzufrieden recken und dehnen und endlich in den Todesſchlaf ver⸗ ſinken! Gott laſſe die Zeit fern von uns bleiben, wo uns mit Recht die Vorwürfe treffen könnten, die der heilige Apoſtel, Röm. 2., der jüdiſchen Kirche macht! Meine geliebten Brüder, ſind wir von Natur derſelben Art oder vielmehr Unart, als die Gemeinen und ihre Engel in der Offen⸗ barung, ſo laßt uns den dort auch für uns warnend erhobenen Finger wohl beachten und beherzigen; bei der Beherzigung aber nicht auf unſere Ohnmacht ſehen, ſondern auf die allmächtige Kraft der ewigen Liebe und Treue, die, wenn ſie uns durch den Apoſtel warnend und mahnend zuruft: Schaffet mit Furcht und Zittern! auch hinzuſetzt: denn Gott iſt's, der in euch wirket beide das Wollen und Vollbringen nach ſeinem Wohlgefallen. Allein, geliebte Brüder, es iſt nicht genug, daß wir uns hüten vor den Gefahren, die nicht die reine Lehre, ſondern das Fleiſch, die Welt und der Teufel uns bringen, ſondern darauf kommt es an, daß wir mit dem anvertrauten Pfunde wuchern. Der Knecht, der ſein Pfund aus Furcht, es zu verlieren, ins Schweißtuch gewickelt, fand ſchlechte Gunſt und Lohn bei ſeinem Herrn; und ein Kriegshaufe, der aus Furcht, in den Hinterhalt zu fallen, keinen Schritt vorwärts thäte, würde nicht allein nichts zum Siege beitragen, ſondern auch wohl ohne Hinterhalt an Ort und Stelle überwunden und hingeſchlachtet werden. Gott hat uns nun ſein Schwert, d. i. ſein heiliges ewiges Wort, ſonderlich ſein ſeligmachendes Evangelium in die Hand gegeben. Er hat dadurch, daß er uns zu Luthers Schriften und durch ſie auf den Haupt⸗