# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 15 — müßten undankbare, gleißneriſche, ſchändliche Buben ſein, wenn wir es nicht laut bekennen und rühmen wollten, nicht, daß unſere beſondere Weis⸗ heit, Verſtand, oder ſonſtige Vortrefflichkeit, ſondern allein Gottes Gnade und Barmherzigkeit uns zum rechten einfältigen Verſtand der ewigen Wahrheit, wie ſie in unſern Bekenntnißſchriften bezeugt wird, gebracht hat. Trotz ſei dem geboten, der dem widerſpricht. Beſonders halte ich nun das verfloſſene Jahr für ein äußerſt ſegensreiches Jahr, darum, daß der Artikel von der Rechtfertigung inner⸗ halb unſers Synodal⸗Kreiſes recht eigentlich auf den Plan gebracht iſt, „dieſer höchſte, fürnehmſte Artikel der ganzen chriſtlichen Lehre, welcher auch zu klarem richtigen Verſtand der ganzen heil. Schrift fürnehmlich dienet, und zu dem unausſprechlichen Schatz und dem rechten Erkenntniß Chriſti allein den Weg weiſet, auch in der ganzen Bibel allein die Thür aufthut; ohne welchen Artikel auch kein arm Gewiſſen einen rechten be⸗ ſtändigen, gewiſſen Troſt haben, oder die Reichthümer der Gnaden Chriſti erkennen mag.“ Ich habe nämlich die gute Zuverſicht, daß das vortreff⸗ liche Referat der weſtlichen Diſtrictsſynode, wie die Beſprechung darüber in den andern Synoden, uns alle mächtig, und Gott gebe, bleibend ange⸗ regt, und uns, wenn auch kein neues, dennoch ein helleres Licht aufgeſteckt hat. Gott gebe nur, daß wir treu mit dem Gegebenen umgehen, und tiefer und tiefer in dieſen unerſchöpflichen Schacht einfahren, um nur mehr des lautern Goldes für uns und unſere Gemeinden, ja für alle, die davon begehren, zu Tage fördern. Denn alles Rühmen von reiner Lehre in allen andern Artikeln iſt vergeblich, ſo das Herz nicht in dieſem Ar⸗ tikel recht gegründet iſt. Denn „in demſelbigen werden alle andern Ar⸗ tikel unſers Glaubens begriffen; wenn der rein und rechtſchaffen iſt, ſo ſteht es recht und wohl um die andern alle. Wenn dieſer Artikel, ſo da lehret, wie man vor Gott ſündlos und gerecht wird, verloren geht, ſo geht zugleich die ganze chriſtliche Lehre dahin. Deswegen ſollen auch nach Luther alle theologiſche Disputationes auf dieſen Artikel ſehen und ge⸗ richtet werden.“ Je größer nun der Schatz iſt, der uns anvertraut worden, mit deſto größerem Ernſt und Fleiß laßt uns auch darob halten und bedenken, daß, welchem viel gegeben iſt, von dem wird auch viel gefordert. Aber wie fällt's meiſtens aus, wenn der Herr große Gaben in den Schoß ſchüttet? Die Unart unſers Fleiſches mißbraucht alles zu Hoffart und Sicherheit. Wir haben uns alſo auch davor zu hüten; zuerſt daß wir uns nicht über⸗ heben und andere neben uns verachten. Daß uns dies vielfach vorge⸗ worfen wird, wiſſen wir. Das „ſtolze Miſſouri“ iſt eine bei unſern Geg⸗ nern nicht ungewöhnliche Redensart und man muß ihnen auch nachrüh⸗ men, daß ſie ſich eifrig angelegen ſein laſſen, uns die Schranken der Demuth anzuweiſen. Aber ſo wenig wir uns durch ſolch Geſchrei den Mund wollen ſtopfen laſſen, daß wir nicht nach wie vor, ſo viel uns mög⸗ lich iſt, gegen allen Greuel falſcher Lehre und falſchen Lebens ein ernſtes, kräftiges und allverſtändliches Zeugniß ablegen ſollten, der allenthalben gegen Gott und ſein Wort hervorbricht und ſich namentlich auch in der lutheriſchen Kirche ſo breit macht; ebenſo ernſtlich wollen wir dennoch den Herrn anrufen, daß wir allezeit vor ihm in aufrichtiger herzlicher Demuth erfunden werden. Was wir haben — und Gottes Gnade ſei ewiglich geprieſen, es iſt