# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S14 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 14 — der köſtliche Balſam iſt, der vom Haupt Aarons herab fleußt in ſeinen ganzen Bart, der herab fleußt in ſein Kleid, wie der Thau, der von Her⸗ mon herabfällt auf die Berge Zion. Denn daſelbſt verheißt der Herr Segen und Leben immer und ewiglich.“ Wie hat der Herr uns hier den Reichthum ſeines Wortes aufgeſchloſſen, daß wir wuchſen und zunahmen in der Erkenntniß, geſtärkt wurden im Glauben, entzündet in der Liebe, ermuntert zum Lobe Gottes, gekräftigt zum Dienſte des Nächſten in herz⸗ licher Geduld und Verleugnung unſrer ſelbſt. Wenn wir ſchier matt und müde werden wollten in dem uns verordneten Lauf, wie ſind wir hier wieder erfriſcht? Wie viel Troſt und Erquickung iſt uns aus dieſer ſeligen Gemeinſchaft zugefloſſen, ſo daß wir die läſſigen Hände und Kniee wieder aufrichten konnten, und gewiſſe Tritte thaten mit unſern Füßen. Darum wollen wir denn auch jetzt, da uns der Herr nach ſeiner großen Freundlichkeit und Leutſeligkeit wiederum nach einem Zwiſchen⸗ raum von drei Jahren zuſammengeführt hat, zuerſt und vor allem ihm herzlich danken; zugleich aber auch mit voller Zuverſicht ihn bitten: er wolle, wie bisher, ſo auch jetzt unſere Verſammlung ſegnen, daß wir feſt bei Ihm und ſomit feſt bei einander ſtehen in einerlei Sinn und Meinung; und nach ſeinem Worte denken, reden und thun, was vor ihm gefällig und unſern Gemeinden nutz und noth iſt. Dagegen wolle er allen böſen Rath und Willen brechen und hindern, ſo uns den Namen Gottes nicht heiligen und ſein Reich nicht kommen laſſen wollen, als da iſt des Teu⸗ fels, der Welt und unſers Fleiſches Wille, und uns ſtärken und feſtbe⸗ halten in ſeinem Wort und Glauben bis an unſer Ende. Ja, Amen! Das iſt ſein gnädiger und guter Wille. Bevor wir nun, meine geliebte Brüder, zu den Berathungen ſelbſt übergehen, erlauben Sie mir, Ihre Aufmerkſamkeit noch für einige Au⸗ genblicke in Anſpruch zu nehmen. So ſehr es uns verdacht und als „Miſſouriſcher Hochmuth“ aufgerückt wird, wenn wir uns des Kleinodes der reinen Lehre und des ſchriftmäßigen Bekenntniſſes rühmen im Gegen⸗ ſatz zu denen hier und im alten lieben Vaterlande, die ſich Lutheriſch nen⸗ nen, aber durch Lehre und Praxis beweiſen, daß ſie es nicht ſind, ſo bleibt es doch dabei, und wir wollen's auch zu Gottes Ehre frei und fröhlich bekennen: Durch Gottes purlautere Gnade befinden wir uns im unge⸗ ſchmälerten Beſitz des väterlichen Erbguts, das aber, Gott ſei Dank, Raum hätte für die ganze Welt, wenn ſie ſich nur zu dem Hauſe Gottes wollte zurückführen laſſen. Unſere Zeitſchriften, unſere Synodalberichte, oder was ſonſt von unſerer Seite als Zeugniß unſers Glaubens und un⸗ ſerer Geſinnung ausgehen mag, zeigen deutlich, daß wir gedenken, uns immer wöhnlicher darinnen einzurichten, zugleich aber auch alles abzu⸗ wehren, wodurch das theure uns anvertraute Kleinod möchte verletzt oder verkümmert werden. Daß und wie weit es uns damit ernſt iſt, hat die letzte Sitzung der Synode bewieſen, wo ſie einen ſonſt geliebten, hochge⸗ ſchätzten, und mit dem wichtigen Poſten eines Diſtrictspräſes vertrauten Bruder von ihrer Gemeinſchaft ausſchließen mußte, da er von den höchſt ſchädlichen chiliaſtiſchen Träumereien nicht laſſen wollte. Daß wir im rechten Verſtändniß der einzelnen Lehren in ihrem Zuſammenhang mit einander, und aller mit dem Hauptartikel von der Rechtfertigung ins be⸗ ſondere ſtehen, bezeugen gleichfalls, denke ich, ſattſam unſere Zeitſchriften und ſonſtige Zeugniſſe. Kurz, meine geliebten und geehrten Brüder, wir