# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1860_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 6 — geiſtliche Gaben, durch zeitliches Vermögen, Wohlthun und Mittheilen, durch das Opfer eigenes Lebens, auch Andere des Weges zu dem Heil theil⸗ haftig ſein und bleiben. Hierzu werden Jünger Chriſti in die Welt geſandt; hierzu wird ihnen das Gnadenpfund vertraut, das wir nicht im Schweißtuch vergraben ſollen. Der allgemeine, in die Seinen ohne Unter⸗ ſchied gelegte Dienſt als Gabe Chriſti für den Glauben, ſich ſelbſt Jeder⸗ mann zum Knecht zu machen, kommt in einem beſondern Sinne, ſoweit er mit dem Worte ſich beſchäftigt, den geordneten Hirten und Lehrern alſo zu, daß Niemand außer ihnen in der Kirche öffentlich predigen und Sakramente reichen ſoll, es ſei denn durch die Noth erfordert; das iſt es, warum dieſe Botſchafter an Chriſti Statt in der heil. Schrift vor Anderen genannt wer⸗ den. Das Weſentliche aber, was auch ihrem Amte und jedem daraus fließenden Beruf der Kirche nur zum Grunde liegt, iſt die Bethätigung der Liebe Jeſu, die man ſelbſt erfahren, an des Nächſten Leib und Seele, weil von denen, welche die Sonne der Gerechtigkeit geiſtlich erſchauet und em⸗ pfangen haben, die Klarheit des göttlichen Ebenbildes in dem menſchge⸗ wordnen Sohne gleichſam als in einem Spiegel geſehen wird, welcher ſie in ihre finſtern Herzen und von da auf Andere zurückfallen läßt. Unſelig iſt das Leben, welches dieſen hellen Schein des ewigen Lichts mit aufgedecktem Angeſicht nicht hat noch kennt; im neuen Weſen des Geiſtes zu dienen, darin erweiſt der Glaube ſich allein, welcher, wie urſprünglich die Gewalt der Schlüſſel im Wort und Sacrament, ſo auch den Himmel, Macht über die Welt und Hölle, im Leben und Tode hat. Woraus nun auch zugleich noch dieſes folgt, daß einen Stand, der höher und beſſer, denn der Jünger oder Chriſten ſei, zu machen, nichts Anderes, als Chriſtum ſelbſt verleug⸗ nen, ja ihn verkehren und verfluchen heißt. In Chriſti Knechtsgeſtalt ſind demnach hier die Seinen eingekleidet; und nicht bloß in dieſer tragen ſie den koſtbaren Schatz der Kräfte einer zu⸗ künftigen Welt und in irdenen Gefäßen der zerbrechlichen Schwachheit ihrer Leibeshütte, ſondern auch behaftet in dieſem Jammerthal mit dem Elend der Sünde noch, welche die Urſache alles andern Uebels iſt. Darum iſt ihr äußerliches Daſein ſcheinbar daſſelbe, wie bei den Kindern dieſer Welt; das Leben Chriſti in den Gläubigen, von der Welt nicht gekannt, von den Fein⸗ den verläſtert und verſpottet, hat ſeine ewige Heimath in dem Himmel. Die Heiligkeit und Süßigkeit der Bewegungen in himmliſchen Begierden, ſein Friede und die Freude in dem heil. Geiſt, welche es bei ſich führt, wer⸗ den von ihnen nicht allezeit empfunden; in fortgehender Buße täglich mit dem alten Menſchen ſtreitend weinen und beten ſie öfters noch unter drücken⸗ dem Gefühle gleichſam dürrer und erſtorbener Herzen und der Macht der Finſterniß; doch fehlt es niemals an der Kraft dem Glauben, feine liebli⸗ chen Früchte Gott zu bringen und zu opfern; und ſelbſt zu Zeiten, da im böſen Stündlein Satan Gottes Kinder mit gehäuften geiſtlichen wie leibli⸗ chen Ränken umgiebt, und bisweilen meint, er habe ſie auch ganz unter ſeine Füße getreten, daß ſie nicht wieder aufkommen ſollen: ſiehe, es leitet ſie der gnadenreiche Vater im Himmel, wenn gleich auf einem rauhen und engen, aber richtigen und ſichern Weg zum vorgeſteckten Ziele. Es wächſt die Roſe unter Dornen, und manche edle Frucht in einer harten bittern Schale; ſo hält es der Herr mit Seinen Heiligen; es iſt das Bild des auch