# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S394 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 394 — nicht gekommen iſt, daß er ſich dienen laſſe, ſondern daß er diene und gebe ſein Leben zu einer Erlöſung für Viele. Der Hausvater und die Staats⸗ regierung haben an ſich mit Chriſti Reiche gar nichts zu ſchaffen; in dem⸗ ſelben ſind ſie nicht mehr und nicht weniger als alle Anderen; und gleichwie in ihrer geſetzlichen Sphäre, auch unter Heiden und eitel Ungläubigen, Eltern wie Obrigkeiten ſind im göttlichen Rechte: ſo wird durch ihre Auf⸗ nahme in die chriſtliche Kirche als Stände die geiſtliche Geſtalt des Hauſes und der Stadt Gottes, welche mit dem Evangelio gegeben iſt, vernichtet und in ein Reich von dieſer Welt umgewandelt, wo die Gemeinde, wie eine Familie, Haus und Volk, regulirt und zuſammengehalten wird durch äußer⸗ lich an ſie herangebrachte Satzungen. Welches Unheil das hieraus hervor⸗ gehende Pabſtthum und Cäſareopapat gebracht, hat die Geſchichte der chriſtlichen Kirche bewieſen. Hier traten die Landesherrn mit ihrer das ge⸗ meine Weſen regierenden Polizei an die Spitze der Conſiſtorien — gegen derſelben urſprüngliche Beſtimmung*); dort die römiſchen Geiſtlichen an das Ruder der Chriſtenheit mit tyranniſchen Herrſchaftsgelüſten. Kein ſtärkeres Argument konnte die Gegnerin dafür geben, daß ein Colloquium über die Lehre vor Allem zwiſchen uns beiden nöthig ſei, als den an uns geſtellten Vorſchlag! Das Verlangen, dem projectirten höchſten Kirchengericht, das hierarchiſch getragen über allen andern dabei ſich bethei⸗ ligenden Körperſchaften ſteht, „wirkliche Richterſprüche“, ſowie die Autorität und Kraft zuzuſchreiben, die Ausführung derſelben „durch die einzelnen Synoden, Kirchenminiſterien und Ortskirchenvorſtände“ Statt finden zu laſſen, Synodalbrief S. 23., und hierzu den Arm der welt⸗ lichen Obrigkeit in Anſpruch und zu Hülfe zu nehmen, S. 24., offenbart die ungeheure Kluft, die zwiſchen uns und ihr ſich befeſtigt. Was für ein knechtiſches Joch könnte durch dieſen trüben, unreinen Canal wieder eingeführt und auf der Jünger Hälſe gelegt werden! Müſſen nicht dieſe wirren Behauptungen, welche einen unheimlichen finſtern Geiſt und zerrüt⸗ tete Sinne kund geben, denen man durch dämoniſche Macht verblendet deſſen ungeachtet vielfach Glauben ſchenkt, zu dem Menſchen der Sünde zurückleiten, der eine Ausgeburt des Satans iſt? Wohin iſt es mit der Kirche gekommen, die einſt des Antichriſts Gipfel und Bollwerk, die Knechte zu Herren, die Frau zur Magd und ſich als Gott zu ſetzen, zertrümmerte, daß in ihrer Mitte Leute aufſtehen können, welche dasſelbe innerhalb der eignen Mauern in verjüngtem Maßſtab wieder erbauen? Würden wir doch uns ſelbſt zum Abgrund der Hölle hinein verdammen, wenn wir ſolchen Hochverrath begün⸗ ſtigen, ihm nicht auf das ernſtlichſte mit des Geiſtes Waffen widerſtehen wollten! Das Recht zu prüfen, zu urtheilen, zu beſtimmen, was dem Worte Gottes gemäß ſei oder nicht, iſt als ein unver⸗ äußerlich theures Gut allen, die an Chriſtum wahrhaft glauben, ohne Ausnahme zugeſprochen, und es ihnen ſchmälern oder untergraben iſt ein Raub, welchen der HErr als Ihm geſchehen anrechnet. Wie könnte ein Kirchengericht ermöglicht werden aus Elementen, die ſich einander entgegen⸗ geſetzt ſind, wie Babel und Zion, Luther und Pabſt, Chriſtus und Belial? Den chriſtlichen Brudernamen ſollen wir denen verweigern, welche trotz aller Vermahnung und Ueberweiſung für das Gewiſſen in ſolchem böſen, gott⸗ loſen Vornehmen beharren. Man laſſe den Krieg und Streit, wenn kein -------------------------------- *) Anmerkung. Zu Luthers Zeiten haben die Conſiſtorien der Kirche als ſolcher nichts zu befehlen gehabt; ſie ſind nur berathende Körper im Sinne der alten Presbyterien geweſen. Dieß iſt bei Herrn von Seckendorf u. A. zu leſen, und von Dr. Val. E. Löſcher ſchlagend nachgewieſen worden.