# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S389 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 389 — aufs entſchiedenſte zurück. Eben ſo wenig wollen wir aber auch eine Aus⸗ legung der Offenbarung Johannis in allen ihren Theilen, oder anderer dunkler, noch nicht durch Erfüllung klar gewordener Stellen der Schrift, zumal wenn dieſe Auslegung gegen Hauptartikel des chriſtlichen Glaubens verſtößt, uns zum Gewiſſen machen laſſen, ſondern verwerfen eine ſolche ernſtlich, und ſtimmen daher in die Beſchlüſſe der weſtlichen Diſtrictsſynode, den Chiliasmus betreffend, vollkommen ein. Sie behaupten ferner, daß wir, als Synode, nahe daran geweſen ſeien, die Offenb. Johannis, dieſe theure Gabe Chriſti, dieſes Schlußbuch und Krone der heiligen Schrift, für das Werk eines verfluchten Engels zu erklären. Auch hier möchten wir unſer tiefes Befremden darüber ausſprechen, wie Sie, ehrw. Bruder, uns doch einer ſolchen Sünde beſchuldigen können, da wir als Synode dazu nicht die allergeringſte Veranlaſſung gegeben haben. Ob⸗ wohl wir keineswegs ein bibliſches Buch, dem in der älteſten Kirche von Einigen widerſprochen worden iſt, zu einem „unwiderſprochenen“ machen, oder es jemand auf das Gewiſſen legen wollen, daß er ein ſolches Buch für ein kanoniſches erſten Ranges anſehe, was ja ein thörichtes, ja rein un⸗ mögliches Unternehmen wäre; — ſo wurde doch das Anſehen der Offenb. Johannis, als einer von Gott ſelbſt eingegebenen Schrift, auf der Synode in Altenburg mit keinem Worte von letzterer angetaſtet; im Gegentheil weigerte ſie ſich keinen Augenblick, klare Beweiſe aus dieſem Buche der Schrift anzu⸗ nehmen und gelten zu laſſen, wie Sie ja ſelbſt wiſſen. Daher weiſen wir auch dieſe Beſchuldigung als eine durchaus grundloſe und falſche zurück. Das Wort „Chiliasmus“ endlich anlangend, ſo bemerken wir, daß es nun einmal Kirchenſprache ſei, die falſche Lehre und Auslegung vom tauſendjährigen Reiche, welche der Analogie des Glaubens widerſpricht, mit dieſem an ſich guten und unſchuldigen Ausdruck zu bezeichnen, wie man z. B. auch mit dem Namen „katholiſch“ die Papiſten, mit dem Ausdruck „evange⸗ liſch“ die Unirten benennt. Unter den Chiliaſten verſteht man alſo nur ſolche Leute, welche die tauſend Jahre ſo nehmen und auslegen, daß ſie eben damit andern deutlichen Stellen und klaren Ausſprüchen der heiligen Schrift wider⸗ ſprechen, die Analogie des Glaubens umſtoßen und wichtige Glaubensartikel verletzen und alſo offenbar falſche Lehre aufrichten. Die erſten Chriſten, welche ſich an die klaren Stellen der Schrift hielten, und ſich durch dunkle in ihrem Gewiſſen und Glauben keineswegs irre machen ließen, thaten aber jenes nicht; daher waren ſie keine Chiliaſten. Chriſti Wort von den tauſend Jahren ſteht freilich feſter als Himmel und Erde; wenn wir aber die falſche chiliaſtiſche Auslegung dieſes Wortes verwerfen und verdammen, mit welchem Rechte mögen Sie uns da den Vorwurf machen, daß wir damit läſterlicher Weiſe Chriſtum ſelbſt zum Ketzer machen?! Müſſen wir dasſelbe nicht viel⸗ mehr gerade von dem ſogenannten Chiliasmus ſagen? Ihre Berufung auf einen Aufſatz des theuren Dr. Rudelbach kann uns, ſo hoch wir ſonſt dieſen Mann ſchätzen, hier keineswegs beſtimmen; denn unſer Glaube ruht eben nicht auf Menſchen⸗Anſehen, ſondern auf dem klaren, gewiſſen Wort Gottes, das da ewiglich bleibt. Nur die Bemerkung mögen wir nicht unterdrücken, daß der Ausdruck: die jetzt allgemeine (chiliaſtiſche) Betrachtung der Offenb. Johannis habe ſich in unſrer evangeliſchen Kirche „kirchlich conſtituirt“, durchaus nicht die allergeringſte Berechtigung habe. Denn ſo lange Lehrzucht in unſerer Kirche geübt wurde, wußte man in ihrem Bereich nichts von Chiliasmus, oder er wurde mit höchſtem Ernſte verworfen und verdammt. Iſt dieſes nun ſeit dem Auftauchen des Pietis⸗ mus anders geworden, und der Chiliasmus zu unſerer Zeit ſo allgemein in