# LCMS Convention Proceedings_St. Louis Missouri_1857_S388 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) — 388 — Beilage C. Antwortſchreiben der deutſchen ev.⸗lutheriſchen Synode von Miſſouri, Ohio u. a. Staaten, auf das von Herrn Paſtor C. J. Gruber zu Paitzdorf, Perry County, Mo., an dieſelbe eingereichte Schreiben, den Chiliasmus betreffend. Ehrwürdiger, in dem HErrn geliebter Bruder! Auf das von Ihnen uns zugegangene Schreiben in Betreff des Chilias⸗ mus und damit zuſammenhängender Gegenſtände erwiedern wir in chriſt⸗ licher Liebe kürzlich Folgendes: Wenn Sie, Ehrw. Bruder, uns gegenüber erklären, Sie hätten aus Luthers Schriften, inſonderheit aus deſſen Vorrede zum Daniel, erkannt, daß das prophetiſche Wort in ſeinen einzelnen Theilen der Kirche nach und nach aufgeſchloſſen werde, je nachdem ſie es bedarf, und alſo keine traditionelle Exegeſe des prophetiſchen Worts ſtattfinden könne, wofern wir uns nicht dem papiſtiſchen Lehrſyſtem nähern wollen, — ſo müſſen wir, als Synode, uns dagegen verwahren und mit höchſtem Ernſte bezeugen, daß durch eine ſolche Darſtellung der Sache ſowohl dem ſeligen Luther als uns ſelbſt ſchreiendes Unrecht zugefügt werde. Denn Luther ſagt keineswegs, wie es nach Ihrem Schreiben erſcheinen möchte, daß das Licht über die Propheten allmählich durch Speculation und Nachſinnen komme; oder daß Menſchenfleiß neue Geheimniſſe aus der Schrift heraus ergründen könne. Seine klar ausge⸗ ſprochene Meinung iſt vielmehr, daß die Weiſſagung nur erſt durch die Er⸗ füllung ihr rechtes, volles Licht und Verſtändniß empfange, nicht aber durch ſelbſtunternommenes Forſchen in derſelben. Es iſt gewiß, daß das Vor⸗ wärtsſchreiten des Reiches Gottes auf Erden uns nach und nach Manches auf⸗ ſchließt, was früher Geheimniß war; und je mehr uns Gott durch geſchehene Erfüllung offenbart, deſto klarer werden uns die Weiſſagungen, die erfüllt ſind. Wollen wir aber in das Dunkel der Zukunft blicken, ſo handeln wir gegen des HErrn ausdrückliches Gebot. Wenn daher Luther, in Hinſicht auf Verſtändniß der Weiſſagung zukünftiger Ereigniſſe, an der angeführten Stelle von einem „Noah“ redet, ſo will er ſagen: wofern wir keine andere als eine mittelbare Erleuchtung (aus der Schrift) haben, ſo werden wir die richtige Auslegung unerfüllter Weiſſagungen nimmermehr treffen; ſollen daher dieſelben vor ihrer endlichen Erfüllung uns offenbar werden, ſo muß Gott einen Noah ſenden. Noah war aber nicht ein mittelbar erleuchteter Mann, ſondern ein Prophet, und wir müſſen uns wohl hüten, uns ſelbſt für einen ſolchen zu halten. Wenn Sie, geliebter Bruder, uns ferner den indirecten, aber ſchweren Vorwurf machen, daß wir durch eine „traditionelle Auslegung“ die Gewiſſen binden wollen, ſo möchten wir Sie mit dringendem Ernſte fra⸗ gen, wo wir, als Synode, dies je gethan haben? In den Beſchlüſſen der weſtlichen Diſtrictsſynode (und dieſe allein können hier doch nur in Betracht kommen) ſteht kein Wort über irgend eine Auslegung. Wir müſſen dieſen Vorwurf als eine ſchwere Beſchuldigung gegen uns erkennen, und daher ent⸗ ſchieden verlangen, daß Sie uns dieſelbe entweder beweiſen, oder zurück⸗ nehmen. Im Gegentheil iſt die von der Diſtrictsſynode hypothetiſch hin⸗ geſtellte Auslegung von Offenb. 20. nichts weniger als die traditionelle, vielmehr die eigenthümliche einiger weniger lutheriſcher Theologen. — Aller⸗ dings haben wir zwar die Gewiſſen binden wollen, und wollen es noch; aber mit Gottes Wort, mit nichts anderem, mit keiner traditionellen Aus⸗ legung, welcherlei Art ſie auch ſei. Wir weiſen alſo dieſe Beſchuldigung